Asthma

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Marcel war erst ein Jahr alt, als bei ihm Asthma festgestellt wurde. Seine Mutter, Eva Meischner: “Mein Vater litt auch unter Asthma, daher kannte ich von ihm schlimme Anfälle und hatte natürlich zuerst Riesenangst, als die Krankheit auch bei Marcel festgestellt wurde. Im Grunde hat meinen Sohn alles belastet, Anstrengung, Infekte, Stress, Nebel, Ozon,… Mit 2 ½ Jahren bekam er sein erstes Inhaliergerät, das ihm im Grunde auch recht gut geholfen hat.

Doch eine wesentliche Besserung trat erst ein, als wir ihn auf Anraten unseres Arztes mit vier Jahren in einer Fußballsportgruppe angemeldet haben. Seitdem ist alles anders. Sein Lungenvolumen erweiterte sich, er wurde stabiler. Wenn er heute einen Lungenvolumentest macht, wundern sich alle Ärzte über das tolle Resultat. Asthma durch Anstrengung gibt es bei ihm nicht mehr. Er hat mit Atemgymnastik begonnen, kommt auch mit Stress bestens klar. Er reagiert zwar noch immer auf Pollen und auf bestimmte Wetterlagen, aber durch Medikamente ist das auch kein großes Problem mehr.”

Kleines Asthma-ABC

Was ist Asthma?
Vom griechischen Wort übersetzt könnte man es einfach “schweres, kurzes Atmen” nennen. Durch Verengung der Bronchien und durch Verschleimung der Luftwege reagiert man mit Hustenanfällen, pfeifender Atmung und Atemnot. Vor allem das Ausatmen der Luft aus den Lungenbläschen ist behindert. Die Lippen können wegen mangelhafter Sauerstoffversorgung bläulich werden. Die Beschwerden treten anfallsartig auf und könnten – allerdings nur wenn keine ausreichende Behandlung erfolgt – zum Erstickungstod führen.

Wie häufig kommt Asthma bei Kindern?
Asthma wird oft nicht oder erst sehr spät erkannt, dabei ist es mittlerweile die häufigste chronische Erkrankung bei Kindern. OA Dr.Lukas Grafenauer, FA für Lungenkrankheiten und Sportarzt aus Korneuburg:” Asthma betrifft zwischen 10 und 15% aller Kinder. In den Industriestaaten leiden insgesamt etwa 5% der Bevölkerung an Asthma, in Österreich etwa 400 000.”

Die Ursachen?
Wenn in der Familie Asthma bereits aufgetreten ist, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch die Nachkommen nicht verschont bleiben und früher oder später gegen bestimmte Stoffe überempfindlich reagieren.

Asthma wird in 50 bis 70% der Fälle, vor allem bei Kindern, durch eine Allergie gegen
· Pollen (Birke, Gräser)
· Tierhaare (Hund oder Katze)
· Lebensmittel (Milch, Eier, Nüsse,..)
· Hausstaubmilben
· Lebensmittelzusätze
· Schimmelpilzsporen
· Chemikalien in Möbeln, Teppichen,…
· Zigarettenrauch ausgelöst
·
Seltener entsteht Asthma durch Infektionen (Bakterien, Viren).

Übrigens, häufig tritt der Verdacht auf, dass Stress oder seelische Ursachen Asthma auslösen können, das stimmt allerdings nicht. Psychische Belastungen wirken zwar durchaus erschwerend, sind allerdings nicht die eigentliche Ursache.

Symptome erkennen

Welche Beschwerden treten bei beginnendem Asthma auf?
Ein erstes Anzeichen ist ein leichter trockener Reizhusten, beispielsweise in der Pollensaison. Die Alarmglocken sollten spätestens läuten, wenn folgende Symptome auftreten:

· häufige Erkältungen, die länger andauern und nur sehr schwer abklingen
· pfeifende, heisere oder ziehende Atmung
· lang andauernde Hustenanfälle, ohne dass eine Erkältung vorliegt
· das Kind allgemein geschwächt wirkt
· im schlimmsten Fall folgen über Stunden mehrere asthmatische Anfälle hintereinander, bei denen auch Medikamente nicht helfen. Es gelangt zuwenig Sauerstoff ins Blut, Kreislaufversagen droht.
·
Die Atemnot ist morgens und in der Nacht stärker als zu den übrigen Tageszeiten. Neben seelischen Belastungen können auch Wetterumschwünge, Temperaturschwankungen und Infektionskrankheiten (Grippe, Bronchitis, Entzündungen der Nasennebenhöhlen) die Beschwerden verschlimmern.

Behandlung

Was unternimmt der Arzt?
Der Arzt wird eine Lungenfunktionsmessung durchführen. Das so genannte Peakflow-Meter ist ein Gerät, um die maximal erreichbare Luftströmung beim Ausatmen zu messen. Der gemessene Wert ist ein Anhaltspunkt wie stark die Bronchien verengt sind. Zusätzlich kann er mit einer Allergietestung feststellen, welche auslösenden Allergene schuld sind.

Wie erfolgt die Behandlung?
Dr. Hartmut Zwick, Vorstand der Abteilung Atmungs- und Lungenkrankheiten am Krankenhaus Lainz in Wien: “Schon beim leisesten Verdacht auf Asthma einen Arzt aufsuchen, denn so kann die Krankheit schon im Entwicklungsstadium mit einer geeigneten Therapie abgefangen werden.
Eine regelmäßige und dauerhafte Einnahme von Medikamenten ist unbedingt notwendig und hilfreich, da sie die Beschwerden erheblich lindern. Nur so kann das Kind ein uneingeschränktes Leben führen und Sport ausüben, die Lunge kann sich normal entwickeln.

Man muss allerdings bedenken, dass Asthma nicht heilbar ist, wer es einmal hat, der hat es ein Leben lang, selbst wenn manchmal bis zu 20 Jahren zwischen den Anfällen liegen. Es gibt allerdings auch Patienten, die ständig unter Atemnot leiden.”

Medikation

Welche Medikamente kommen zum Einsatz?
Im Allgemeinen besteht die Asthmatherapie aus einer festen Dauertherapie mit Medikamenten zum Einatmen oder Tabletten zum Schlucken.

Wenn das Asthmakind unter plötzlicher Atemnot leidet oder ein schlechtes Peakflow-Messungsergebnis (dieses Messgerät gibt es auch für zu Hause) hat, muss man es sofort mit einem bronchienerweiternden Spray inhalieren lassen. Die darin enthaltenen Wirkstoffe erweitern der Atemwege, indem sie die Muskulatur entspannen.

Erfolgsversprechend kann auch eine Hyposensibilisierungstherapie sein, dabei werden Spritzen, die mit genau jenen Substanzen gefüllt sind, die normalerweise die Allergie auslösen, verabreicht. Auf diese Weise wird versucht, den Körper zur Anpassung “zu überreden”.

Auch die Homöopathie kann einige geeignete Mittel aufweisen, die eine Therapie unterstützen können. Die Behandlung von einem ausgebildeten Homöopathen muss allerdings in Verbindung mit einem Lungenfacharzt verabreicht werden, da die Wirkstoffe individuell abgestimmt werden müssen. Denn hier gilt: Was dem einen hilft, muss beim anderen noch lange nicht helfen.
Zum Beispiel: Arsenicum D 30 (bei schwerer Atemnot in Verbindung mit Angst und Unruhe), Ipecacuanha (besonders bei Kindern gegen Verschleimung und grobes Rasseln), Coccus cacti (bei krampfhaften Husten mit reichlich fadenziehendem Schleim)

Asthmaanfällen vorbeugen

Gestillte Kinder haben schon einmal einen Superbonus, denn sie neigen weitaus weniger zu Allergien. Besondere Hygiene und penibelste Sauberkeit sollte man sich abgewöhnen, denn dadurch wird die Allergiebereitschaft des Körpers nur erhöht. Das Immunsystem bekommt gar nicht erst die Chance Abwehrkräfte zu entwickeln.
Doch wenn das Kind bereits unter Asthma leidet und man die Stoffe, gegen die es allergisch reagiert, kennt, muss man natürlich Gegenmaßnahmen ergreifen:

· bei einer Hausstaubmilbenallerige gibt es zum Beispiel spezielle Bettüberzüge, die Kuscheltiere sollten regelmäßig gewaschen oder in der Tiefkühltruhe entkeimt werden , möglichst keine Teppichböden, keine Matratzen aus tierischen oder pflanzlichen Materialen verwenden (hautfreundliche milbendichte Spezialüberzüge oder “Allergiker-Matratzen”)
· feuchte Wände sanieren
· Gummibäume und verwandte Pflanzen, wie Ficus Arten entfernen (erhöhtes Risiko der Schimmelpilzbildung und der Überempfindlichkeit gegen Latex)
· so oft wie möglich lüften
· rauchen in Gegenwart der Kinder sollte man sowieso immer vermeiden
· häufig werden Asthmaanfälle durch Virusinfektionen ausgelöst, deshalb den Kontakt mit infizierten oder ansteckenden Personen meiden.
· bei Asthmapatienten wird auch eine jährliche Grippe-Impfung empfohlen, wenn das Kind einen grippalen Infekt hat öfter zum Kinderarzt gehen, um die Lunge abhören zu lassen.
· auch eine Klimakur im Hochgebirge oder am Mittelmeer hilft
· im Winter nie ohne Schal und Mütze aus dem Haus gehen, da kalte Luft schadet.

Asthma und Sport

Prof. Dr. Zwick:” Sport ist ausgezeichnet bei Asthma, da die Lungen richtig gut trainiert werden und deren Leistung verbessert wird. Die Luft wird durch die Anstrengung schneller ein- und ausgeatmet. Die Atemwege und Lungenbläschen müssen beim Sport also richtig arbeiten, um ziemlich schnell soviel Sauerstoff wie möglich aus der geatmeten Luft heraus zu sortieren. Durch das tiefe Atmen bedingt, beginnt man nach einiger Zeit durch den Mund zu atmen, da die Nasenatmung nicht mehr ausreicht, um sich den nötigen Sauerstoff zu holen. Die natürliche Filterfunktion der Nase fällt aus.
Für Asthmatiker ein Problem, denn all die belastenden Inhaltsstoffe gelangen nun ungefiltert in die Lungen. Doch deshalb landen Asthmatiker noch lange nicht auf der Ersatzbank. Grundlage ist, wie schon erwähnt, eine gut eingestellte Therapie!
Kinder wollen und müssen sich bewegen. Notwendige Entwicklungsimpulse, zum Beispiel das Wachstum der Knochen, Muskel und Gelenke und auch das Herz-Kreislauf System brauchen körperliche Betätigung.”

Was müssen Asthmatiker beim Sport beachten?
· ideal wäre es sich vor dem Sport gut aufzuwärmen
· wenn man weiß, dass man beim Sport mit Atemnot reagiert, schon vorher den Notspray einsetzen und vor allem immer dabei haben
· Lehrer oder Kindergartentante müssen Bescheid wissen und eingeschult werden, damit sie im Notfall richtig reagieren
· Pollenallergiker sollten während der Heuschnupfenzeit keinen Sport im Freien ausüben.
· Schwimmen, entspanntes Joggen, Gymnastik und Rad fahren sind besonders geeignet
· Überanstrengung vermeiden

Sandra Völker sagte in einem Interview: “2000 wurde bei mir Asthma festgestellt Vorher spürte ich oft während des Schwimmens einen Kloß im Hals und bekam nicht richtig Luft. Das hat mir Angst gemacht und mich sehr verunsichert.” Inzwischen hat sie dank konsequenter Behandlung die Krankheit im Griff und bereits die nächsten Medaillen vor Augen.

Marcels Mama, Eva Meischner findet noch besonders erwähnenswert: “Das Kind darf auf keinen Fall mit dem Bewusstsein aufwachsen, dass es eine schlimme Krankheit hat. Die Psyche des Kindes leidet einerseits und es fühlt sich als Außenseiter. Andererseits weiß es oftmals nach kurzer Zeit seine “besondere” Stellung durchaus zu nutzen, verweigert unliebsame Dinge und schützt dabei seine Krankheit vor.”

Mit einem Wort, wer ein paar wichtige Regeln beachtet, kann auch mit Asthma ein überaus erfülltes, langes Leben führen.

Asthmaverhaltenstraining in Salzburg

Was ist Asthma, wie verhalte ich mich bei einem Asthmaanfall und wie kann ich meine Erkrankung positiv beeinflussen? Kinder und Jugendliche mit mittelschwerem und schwerem Asthma lernen durch das Asthmaverhaltenstraining (AVT) nicht nur mit ihrer Erkrankung umzugehen, sondern sie erwerben auch die Fähigkeit, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.
Die Inhalte werden in 10 Einheiten zu je 90 Minuten von einer ausgebildeten Asthmaverhaltenstrainerin in Kleingruppen vermittelt. Die Anmeldung erfolgt in der Kinderlungenambulanz (Tel. 0662/4482-2614 Fr. Neumann oder Fötschl).

Diese Schulung wird nicht nur in der Stadt Salzburg, sondern auch in den Gauen angeboten.
Finanziert wird die Schulung von den Krankenkassen, besonders von der Salzburger Gebietskrankenkasse. Seit Herbst 2002 wird ein Selbstbehalt von € 50 eingehoben.

Weitere Infos:
www.avos.at/unsereangebote/asthma.htm

Foto: JPC-PROD – shutterstock.com

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