Beim Kinderzahnarzt

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Psychologische Tricks und eine altersgerechte Be-handlung lenken kleine Patienten vom Herumhan-tieren an ihren Zähnen ab. Eine solche spezialisierte Zahnarztpraxis gibt es beispielsweise in Salzburg.

Kindgerechtes Umfeld

Der sechsjährige Benjamin verfolgt gespannt ein Tier-Video im Fernseher über ihm. Dass währenddessen bereits seit gut 15 Minuten in seinem Mund herumhantiert wird, stört ihn nicht wirklich. Benjamins erster Zahnarztbesuch verläuft völlig problemlos – in einer kindgerechten Umgebung, mit kindgerechten Methoden. Bevor das Video eingeschaltet wurde, hat die Zahnärztin dem Buben die Behandlung erklärt. Er konnte die Instrumente ausprobieren. “Schlürfi” der Speichelabsauger z.B. durfte an einem Zipfel von Benjamin’s T-Shirt zeigen, was er kann. Kindgerechte Namen haben auch Bohrer oder Spritzen: Die Zahnärztin spricht von einer “Zahndusche” und “Schlafkügelchen für den Zahn”.

Eine Angst – wie sie viele noch als Erwachsener vor der zahnärztlichen Behandlung haben – kommt bei Benjamin erst gar nicht auf. Er ist ganz entspannt während er die Backenzähne versiegelt bekommt, damit sie unanfällig gegen Karies bleiben. Zur Belohnung darf er sich nach der Behandlung ein kleines Geschenk aussuchen. Schon beim Nachhause-Gehen fragt der junge Bursche: “Mami, wann darf ich wieder dahin?”

Nicht alle Eltern wissen freilich von so entspannten Zahnarztbesuchen mit ihren Kids zu erzählen. Benjamin hat das Privileg Patient in der ersten Kinderzahnordination Österreichs, im Medicent Salzburg (www.medicentsalzburg.com) zu sein.

Die Zahnfeen

Die “Zahnfeen” in der Kinderzahnordination Medicent Salzburg sind Dr. Nicola Meißner und Dr. Verena Bürkle. Sie haben nach ihrem Studium der Zahnmedizin eine dreijährige Zusatzausbildung für Kinder- und Jugendzahnheilkunde in Deutschland bzw. den USA absolviert. Es ist dies eine Spezialisierung, die es in Österreich nicht gibt. Erwachsene könnten in ihrer Ordination gar nicht behandelt werden, weil die bunten Liegen in den einladenden Behandlungszimmern für kleine Patienten konzipiert sind.

Die beiden engagierten Ärztinnen halten mittlerweile im Rahmen des Projekts “mini-dent” (www.mini-dent.at) selbst Einführungsseminare und Kurse für Zahnarzt-Kollegen ab. Dabei geht es um Themen wie die kindgerechte Ausstattung der Behandlungszimmer ebenso, wie um spezielle Milchzahn-Behandlungstechniken.

“Wir haben auch Sonderausbildungen in Hypnose, als Zauberer und in Psychologie”, hebt Dr. Meißner hervor. “Die Methoden helfen uns die Kinder abzulenken, zu entspannen, aufzuheitern und auf die Behandlung vorzubereiten.” Dr. Bürkle: “Um Milchzähne möglichst lange zu erhalten, machen wir z.B. vorgefertigte Milchzahnkronen und führen Milchzahnwurzelbehandlungen durch.”

Kranke Milchzähne

Es gibt in jedem Bundesland Zahnärzte, die sich bemühen, mit einer kindgerechten Behandlung ein positives Zahnarzterlebnis zu erzeugen. Der Vorteil bei einer frühen Gewöhnung des Kindes an den Zahnarzt ist:
· Es wird meist nur eine vorbeugende Behandlung nötig sein. Das heißt das Kind wird vom Zahnarzt auf Karies untersucht.
· Ev. wird von den Prophylaxe-Assistentinnen der Zahnbelag wegpoliert und eine Fluoridlösung aufgepinselt. Anschließend kann noch ein Schutzlack gegen die Kariesbakterien aufgebracht werden.
· Ein Hauptaugenmerk sollte grundsätzlich auf der Motivation von Eltern und Kindern zu einer angemessenen Mundhygiene liegen.
· Kariesrisikotests können zum Bestimmen der Kariesgefahr eingesetzt werden.

“Grundsätzlich müssen kariöse Milchzähne immer behandelt werden”, hebt Dr. Sabine Wenger von der Zahnklinik in Graz (www.uni-graz.at/zmkwww/) hervor. “Milchzähne haben eine Platzhalterfunktion und steuern den Durchbruch bleibender Zähne. Karies breitet sich im Milchgebiss sehr rasch aus und wandert in Richtung Nerv. Entzündungen und starke Schmerzen können die Folge sein.”

Milchzahnkronen oder Milchzahnwurzelbehandlungen werden bisher fast ausschließlich von Kinderzahnärzten durchgeführt. Ihr Vorteil ist, dass sie teilweise spätere kieferorthopädische Eingriffe vorbeugen.

In Trance gehalten

Der Zahnarzt sollte es verstehen, den kleinen Patienten kindgerecht an die Behandlung heranzuführen. Neben den konventionellen Behandlungsmethoden gibt es auch die Möglichkeit der Verabreichung von Lachgas: “Schwer behandelbare Kinder dürfen ,Zauberluft’ mittels einer Nasenmaske einatmen”, erklärt Dr. Wenger. “Diese hat eine beruhigende, entspannende Wirkung. Sie nimmt Kindern die Angst und vermindert Schmerzen.”
Bei kleinen Patienten mit großen Befunden kann eine Behandlung unter Narkose sinnvoll sein. Ansonsten wird es immer wieder Situationen geben, bei denen das Kind etwas spürt. “Wir umschreiben dieses Spüren aber ganz bewusst mit ,Kitzeln’ oder ,Zwicken’ und nicht mit Schmerz’”, erläutert Dr. Werner Ossmann, Zahnarzt in Wien (www.ossmann.at). Er bittet die Eltern die positiven Begriffe zu übernehmen. Das Kind sollte z.B. nicht nach der Behandlung mit der Frage –“Hat es weh getan?” – an ein ungutes Gefühl erinnert werden.

Eine aus der Hypnose entlehnte Methode, um Kinder von der Zahnbehandlung weg zu konzentrieren, ist das Erzählen von Geschichten: “Wenn unsere Sprache und die Erzählung manchmal etwas konfus klingen, so geschieht dies mit voller Absicht”, erklärt Dr. Ossmann. “Die sogenannte Konfusions- oder Verwirrungstechnik ist eine der wirksamsten Methoden um ein Kind in Trance zu halten.”

Tipps zum Zahnarztbesuch

Nehmen Sie Ihr Kind ab dem 2. Lebensjahr zu den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt mit, damit es sich an die Umgebung gewöhnen kann.
Wecken Sie die Neugierde Ihres Kindes auf das Erlebnis „Zahnarztbesuch“, das durchaus spannend sein kann. Es gibt z.B. viele neue Instrumente zu sehen. Das Kind sollte ausgeruht sein.
Sie als Eltern sollten sich selbst nur positiv über ihre Zahnarzterfahrungen äußern. Fehlen Ihnen positive Erfahrungen, sagen Sie lieber nichts. Negativerzählungen anderer über Zahnarztbesuche sollten zu Hause besprochen werden.

Das Unterbewusstsein kennt keine Verneinungen. D.h. das Kind versteht bei “Es tut nicht weh”: „Es tut weh. Verwenden Sie deshalb positiver besetzte Begriffe wie: “Es kitzelt” oder “Es zwickt”.
Trotz aller Vorbereitungen ist ein Zahnarztbesuch für das Kind neu und ungewohnt. Deshalb sollten Sie Geduld haben. Schimpfen Sie mit Ihrem Kind weder vor noch während oder nach der Behandlung. Loben Sie es stattdessen für das, was es auch wirklich gut gemacht hat: selbst wenn das nur eine winzige Kleinigkeit gewesen sein sollte.

Von vorab versprochenen Belohnungsgeschenken raten die Experten ab: Der Stress beim Zahnarzt ist schon groß genug. Wenn sich Ihr Kind noch etwas verdienen muss oder soll, gerät es nur zusätzlich unter Druck. In den meisten Ordinationen kann sich das Kind nach der Behandlung sowieso ein kleines Geschenk aussuchen.

Foto: Sergey Nivens – shutterstock.com

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