In den Ferien lernen

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Jonas (9 Jahre) freut sich, dass er endlich Ferien hat – hemmungslos faulenzen ist seiner Meinung nach angesagt. Seine Mutter sieht das jedoch ganz anders: Jonas hat einige Probleme in der Schule und soll in den Ferien lernen. Was Jonas jetzt braucht, ist die richtige Motivation …

Mathe büffeln, und dann auch noch Bio, Englisch, Deutsch … in den Ferien! Darauf hat kein Schüler Lust. Bringt Lernen in den Ferien denn etwas? Sollten Kinder nicht einfach die Seele baumeln lassen? Natürlich muss sich Ihr Kind in den Ferien erholen können, auch und gerade, wenn es mit Schulschwierigkeiten kämpft – denn dann hat es reichlich Stress und Enttäuschungen hinter sich. Baden, Freunde treffen, ausschlafen, faulenzen, Hobbys pflegen – all das ist wichtig für Kinder, damit sie sich regenerieren.

Das Problem:
Unser Gehirn schätzt das Faulensein gar nicht. Nach den mehrere Wochen dauernden Ferien ist – so ergeben es Messungen – der Intelligenzquotient der Kinder gesunken. Kurz gesagt: Zu viel Untätigkeit macht „dumm“. Dies lässt sich nach Schulbeginn auch bei vielen Kindern beobachten: Sie beschweren sich, dass sie nicht mehr „richtig schreiben“ können.

Selbst einfache Aufgaben wollen nicht so recht gelingen. Anderen fällt wieder der Schulstart generell schwer. Das ist verständlich, betrachtet man die Funktionsweise unseres Gehirns: Nicht ständig benötigtes Wissen wird entweder tiefer in unserem Gedächtnis abgelegt – wir brauchen dann einige Zeit, um das Erworbene wieder nutzen zu können. Oder das Gehirn meint gar, die Informationen würden nicht mehr gebraucht, und „vergisst“ sie schlichtweg. Gute Gründe also, Ihr Kind in den Ferien zum Lernen anzuspornen; zwar mäßig und auch nicht die ganzen Ferien über … aber dafür stetig. Zudem bieten die Ferien einen guten Zeitpunkt, um bestehende Wissenslücken aufzufüllen. Je länger man mit ihrer Behebung wartet, desto größer werden sie – bis hin zu echten Schulschwierigkeiten.

Was soll gelernt werden?

Das Wichtigste vorab: Lernen in den Ferien soll niemals in Stress ausarten, ansonsten verfehlt es sein Ziel. Ihr Kind baut höchstens Widerstand auf. Erkundigen Sie sich am Ende des Jahres beim Lehrer, in welchen Bereichen Wissenslücken vorhanden sind. Schauen Sie auch ruhig einmal in das Hausübungsheft: Gibt es viele falsche Aufgaben? Schularbeiten dienen ebenfalls als guter Anhaltspunkt, welche Themen nicht beherrscht werden und daher zu wiederholen sind. Setzen Sie sich gleich zu Beginn der freien Wochen mit Ihrem Kind zusammen und besprechen Sie, wie das vergangene Schuljahr gelaufen ist. Binden Sie Ihr Kind auf jeden Fall in die Lernplanung ein. Dann fühlt es sich nämlich gleichberechtigt und sieht eher ein, dass es auch in den schönsten Wochen des Jahres ein bisschen Zeit für die Schule opfern sollte.

Ein Tipp: In den meisten Schulbüchern finden sich Tests oder Übungen, die den gelernten Stoff zusammenfassen. Kopieren Sie diese Seiten und lassen Sie sie Ihr Kind in kleinen Portionen bearbeiten – das verursacht keinen Stress und bringt deutlichen Erfolg. Doch nicht nur Schulwissen, sondern auch die so genannten „Soft Skills“ können in den Ferien gut trainiert werden. Zum Beispiel Selbstständigkeit: Um das Kind in diesem Bereich voranzubringen, heißt es in den Ferien konsequent üben – das Kind muss das gar nicht merken … Oder haperts noch mit der Ordnung? Dann packen Sie diese nun an … nicht mit den Schulsachen, sondern mit der Schwimmausrüstung oder der Tennistasche. Lässt vielleicht die mündliche Mitarbeit zu wünschen übrig? Dann fördern Sie Ihren Sprössling, indem Sie ihm immer wieder Fragen stellen. Oder ihn ermuntern, selbst Fragen zu formulieren. Auch das Erzählen von Geschichten kann ein gutes Training darstellen.

So motivieren Sie Ihr Kind

Wichtig ist, dass Sie gleich nach dem Zeugnis besprechen, wie die Feriengestaltung aussieht. Vereinbaren Sie am besten, dass die erste Hälfte der freien Zeit der Erholung dient und nur in der restlichen Zeit gelernt wird. Sie wollen Ihr Kind motivieren? Schreiben Sie alle Themen, die es zu bewältigen gilt, auf ein Blatt. Ihr Kind kann dann selbst durchstreichen, was es schon geschafft hat. Für jeden erledigten Punkt auf der Liste gibt es kleine Belohnungen. Wie wär’s etwa mit folgendem Deal: Zehn Punkte gegen einen Ausflug in den Freizeitpark oder gegen etwas anderes, worüber sich Ihr Kind freut? Eine Lösung, an der auch Sie Ihren Spaß haben … Und noch etwas fördert die Motivation: Legen Sie feste Zeiten für das Lernen fest. Am besten ist die Zeit nach dem Frühstück. Dann hat Ihr Kind den restlichen Tag zur freien Verfügung. Sparen Sie nur nicht mit Lob, wenn Ihr Kind ohne zu murren lernt – in den Ferien fällt das natürlich schwerer als in der Schulzeit.

Nützen Sie PC und Internet

Kaum ein Kind, das nicht verrückt nach PC und Internet wäre … Nützen Sie diese Begeisterung, um es zum Lernen zu motivieren. Kaufen Sie ein Lernprogramm – in unseren Tipps finden Sie empfehlenswerte Software aufgelistet. Auch Büchereien bieten heute schon eine große Auswahl an Lernspielen und Lernsoftware – fragen Sie einfach vor den Ferien nach. Stellen Sie vor Beginn Ihres Ferienlernprogramms gute Internetseiten zusammen und nehmen Sie diese in die Favoriten auf: So kann Ihr Kind bequem surfend Wissen festigen. Achten Sie unbedingt darauf, dass die Seiten Lernkontrollen beinhalten – sonst weiß es nicht, ob es alles richtig gemacht hat. Stress ist beim Lernprogramm in den Ferien jedenfalls nicht angesagt – das würde genau das Gegenteil dessen bewirken, was Sie sich wünschen. Motivation und Anerkennung – das sind jene Erfolgsfaktoren, die Ihrem Kind den nötigen Vorsprung im nächsten Schuljahr sichern können.

Übungsmaterial:

http://vs-material.wegerer.at/
Viele Übungsblätter zum (kostenlosen) Ausdrucken

http://vs.schule.at
Massenhaft Material – Österreichisches Schulportal für Volksschule

Online-Übungen:

http://www.lesefit.at/grundstufe/
Lesefit-Texte und Übungen – eine Initiative des Bildungsministeriums

http://lernen.eduhi.at/
Eine Fülle an Gegenständen – Innovationszentrum für Schule und neue Technologie

http://www.easy-reading-program.com/
Lesen üben online

Angelika Stein

Foto: NagornyiSergiy – shutterstock.com

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