Was tun gegen Prüfungsangst?

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Teufelskreis aus Angst und Versagen

Zurück zu unserer Schülerin: Schon Tage vor der Schularbeit ist Mareike angespannt, negative Gedanken spulen sich wie ein Endlosband ab. Beim Lernen ist sie wie gelähmt, nichts geht in ihren Kopf. Szenenwechsel: Die Schülerin sitzt im Klassenzimmer, die Arbeitsbögen werden ausgeteilt. Als sie auf das Blatt sieht, kommt ihr wenig davon bekannt vor. Ihre Nervosität steigt, ihr Herz rast, als sie mit den Aufgaben beginnt. Der Misserfolg ist vorprogrammiert.

Wie entsteht Prüfungsangst?
Prüfungsangst entwickelt sich meist schleichend. Weniger selbstbewusste Kinder ziehen einen negativen Schluss: “ Ich kann es nicht.” Ein Teufelskreis aus Angst und Versagen beginnt.

Auch die Umwelt trägt zur Versagensangst der Kinder bei. Eltern, die übermäßig ehrgeizig sind und von ihrem Kind immer Höchstleistungen erwarten, legen einen Grundstein für die Ängste ihres Kindes. Wer seinem Kind deutlich macht, dass Fehler und Versagen ein wichtiger Teil des Lernprozesses sind, gibt ihm die Sicherheit, die es braucht, um Herausforderungen ohne Angst anzugehen.

Auswirkungen
Wer meint, es ginge ja nur um Prüfungen und davon gäbe es ja nicht so viele im Leben, irrt. Die greifbaren Auswirkungen wie Magenschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Nervosität und Aggressionen sind nur die Spitze des Eisbergs.

In der Prüfungssituation selbst bewirkt die Angst oft einen Black-out. Fließen die Gehirnströme beim entspannten Kind gleichmäßig, unterbricht Angst diesen Fluss – die Informationen können nicht mehr transportiert werden. Da werden dann selbst ganz banale Aufgaben zum unüberwindlichen Hindernis.

Die Gedanken des betroffenen Kindes kreisen um sein Versagen, es überzeugt sich immer wieder selbst, dass es nichts kann, nichts wert ist. In seinem späteren Leben wird dieses Kind versuchen, Prüfungssituationen zu vermeiden. Darunter leidet nicht nur der berufliche Erfolg. Menschen, die an Prüfungsangst leiden, haben es einfach viel schwerer, glücklich zu werden und ein erfülltes Leben zu führen.

Hilfe für Ihr Kind

Nehmen Sie die Angst Ihres Kindes an
Akzeptieren Sie die Situation, wie Sie ist. Versuchen Sie nicht, die Dinge zu bagatellisieren: “Das ist doch alles halb so schlimm” und versprühen Sie auch keinen Zweckoptimismus: “Das wird schon wieder.”

Vergessen Sie das Wort „Prüfungsangst”
Was passiert mit Ihrem Kind, wenn es ständig hört: “Wir müssen aber etwas gegen deine Prüfungsangst tun”? Die Angst verstärkt sich, weil ihr Kind seine Aufmerksamkeit darauf richtet. Sprechen Sie lieber davon, was Sie gemeinsam tun können, dass Ihr Kind entspannter in die Klassenarbeit geht. Machen Sie deutlich, dass es Ihnen nicht primär um die besseren Noten geht, sondern darum, dass es Ihrem Kind gut geht.

Fahnden Sie nach Ursachen
Die Ursachen für die Angst zu versagen sind vielfältig:

Ist Ihr Kind überfordert?
Prüfen Sie kritisch, ob Ihr Kind den Anforderungen nicht gewachsen ist. Sprechen Sie mit den Lehrern und auch mit Ihrem Kind.

Ist Ihr Kind gut vorbereitet?
Mangelnde Vorbereitung ist einer der häufigsten Gründe, warum Schüler Angst vor einer Schularbeit haben. Wer am letzten Tag anfängt zu lernen, hat guten Grund, vor einer Arbeit Angst zu haben.

Kennt Ihr Kind Lerntechniken?
Wenn es in Ihrer Stadt keine Lerntechnik-Kurse gibt, kaufen Sie Ihrem Kind ein Buch, das ihm die wichtigsten Techniken vermittelt. Auch das Internet bietet hier wertvolle Hilfen.

Selbstbewusste Kinder verscheuchen den Angstteufel
Selbstbewusste Kinder können auch vor Prüfungen nervös sein, sie lassen sich aber von der Angst nicht in die Knie zwingen. Eltern können viel dazu beitragen, dass ihr Kind ein gesundes Selbstbewusstsein aufbaut:

Zeigen Sie Ihrem Kind immer wieder seine Stärken auf
Loben Sie, dosiert und ehrlich
Stellen Sie Ihr Kind immer vor neue Herausforderungen
Machen Sie deutlich, dass Fehler etwas Positives sind.
Nehmen Sie schlechte Noten mit Humor.

Mehr Tipps

Wenn das Problem sehr groß ist, sollten Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Der Hausarzt, der Schulpsychologe, der Lehrer sind geeignete Anlaufstellen.
Wenn Sie für Ihr Kind der Lerncoach sein möchten (dürfen) besorgen Sie sich geeignete Literatur oder ein Trainingsprogramm gegen Prüfungsangst. (Siehe Infos)
Unternehmen Sie nichts über den Kopf Ihres Kindes hinweg. Ihr Kind selbst muss das Ziel (zum Beispiel bei Schularbeiten gelassen und konzentriert zu sein) allein erreichen, das ist ganz wesentlich. Sie können Ihrem Kind Wege aufzeigen, gehen muss es selbst.

Check: Hat Ihr Kind Prüfungsangst?

Viele Kinder leiden an Prüfungsangst, ohne dass Eltern oder Lehrer etwas bemerken. Hier finden Sie einige Hinweise, die darauf hindeuten, dass Ihr Kind an Prüfungsangst leidet.
Ihr Kind leidet vor Schularbeiten oft an Schlaflosigkeit.

Ihr Kind bittet Sie, zu Hause bleiben zu dürfen. Auf Nachfrage erfahren Sie, dass heute eine Schularbeit geschrieben wird. (Ihr Kind ist offensichtlich nicht krank)
Ihr Kind äußert sich vor Klassenarbeiten sorgenvoll.
Ihr Kind hat vor Schularbeiten körperliche Beschwerden wie Magenschmerzen, Kopfschmerzen, Verspannungen.
Ihr Kind ist vor Schularbeiten auffallend unkonzentriert und nervös.
Sie hören von Ihrem Kind Aussprüche wie “Das schaffe ich nicht” “Das ist viel zu schwer”
Zieht Ihr Kind sich vor Prüfungen auffallend zurück?
Sie haben Ihr Kind vor einer Schularbeit abgefragt – es hat das meiste gut beherrscht. Die Schularbeit ist trotzdem nur ausreichend bzw. mangelhaft.
Gerade vor Schularbeiten ist Ihr Kind aggressiver als sonst.
In den Schularbeiten finden Sie viele “unerklärliche” Fehler, die auf einen Blackout hindeuten.

Foto: Tom Wang – shutterstock.com