Kinderwunsch: Weg mit dem Stress …

… meinen zahlreiche Experten, wenn es um das Thema Kinderwunsch geht, Die „Liebe nach Plan“ funktioniert selten bis gar nicht. Trotzdem gibt es ein paar Tipps, die man beachten kann. Mehr dazu …

Noch in den 1950er Jahren hat eine junge Frau ihr erstes Kind oft ziemlich genau neun Monate nach der Hochzeitsnacht bekommen. Heute wollen viele Paare ihr Kind genau in ihr Leben einplanen. Die Schwangerschaft ist damit oftmals Teil einer eher rationalen Entscheidung und Lebensplanung geworden. Damit stellen sich freilich der Frau bzw. dem Paar auch mehr Fragen, als wenn der Natur mehr oder minder ihr freier Lauf gelassen wird.

Verhütung & Schwangerschaft

Noemi z.B. möchte wissen, wie schnell man nach jahrelanger hormoneller Verhütung schwanger werden kann. Bzw. ob es dem Kind schadet, wenn es sofort nach Absetzen der Pille passiert. Mit dieser Unsicherheit ist sie nicht alleine – schließlich haben Kinderwunsch-Paare heute oft bereits 10 Jahre und mehr (hormonell) verhütet, bevor sie einen Babywunsch hegen.
Gleich vorweg: Es ist ein Mythos, dass frau, wenn sie schwanger werden will, drei Monate zuvor die Pille absetzen muss. Solange frau die Pille einnimmt, verhindert diese einen Eisprung. Bei manchen Frauen kommt es unmittelbar nach Absetzen einer hormonellen Verhütung wieder zum Eisprung. Bei anderen dauert es einige Zeit. “Man spricht dann von einer ,Post-Pill-Amennorrhoe’”, erläutert Dr. Alexander Just, Leiter der Kinderwunschambulanz am Zentralklinikum KH St. Pölten. “Es steht diese in keinem Verhältnis zur Länge der Pilleneinnahme. Nach einem halben Jahr empfiehlt es sich seinen Facharzt aufzusuchen.”

Tritt sofort nach Absetzen der hormonellen Verhütung eine Schwangerschaft ein, so schadet dies dem Kind in keiner Weise.

Lebensstil & Ernährung

Tatjana fragt sich, ob und wie sie sich auf die Schwangerschaft vorbereiten kann. Sie steht im Job stark unter Stress, raucht viel, und auch ihre Ernährung – ist sich die etwas übergewichtige junge Frau bewusst – ist eher einseitig.
Tatjana hat recht, dass es nicht schaden kann, einen Kinderwunsch zum Anlass zu nehmen, seinen Lebensstil zu verbessern:
· Empfohlen wird generell ausreichend Bewegung und eine ausgewogene und vitaminreiche Kost: d.h. viel Gemüse und Obst, regelmäßig Milchprodukte, ab und zu Fisch, relativ wenig Fleisch und möglichst wenige tierische Fette.
· Starkes Über- oder Untergewicht kann die Funktion der Eierstöcke stören und verursacht auch während der Schwangerschaft häufig Probleme. Deshalb kann es nichts schaden, sich dem Normalgewicht zu nähern.
· Optimal wäre, das Rauchen schon spätestens drei Monate vor dem Zeitpunkt einzustellen, zu dem Sie schwanger werden bzw. zeugen wollen. Es dauert nämlich drei Monate bis beim Mann eine neue Samengeneration heranreift. Bei Raucherinnen entstehen häufiger Zysten an den Eierstöcken ( “leere Bläschen”, in denen die Eizelle fehlt), als bei Nichtraucherinnen.
· Auch der Alkoholkonsum gehört eingeschränkt. Denn Alkohol führt zu Folsäuremangel, der für das werdende Kind eine Gesundheitsgefahr darstellt.
· Mehr als drei Tassen Kaffee oder schwarzer Tee pro Tag können zu Hormonstörungen führen und damit die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Steigen Sie besser um auf Kräutertee oder koffeinfreien Kaffe. Bei Problemen, morgens wach zu werden, hilft kaltes Duschen.
· Nehmen Sie nur Medikamente ein, die Sie unbedingt brauchen. Weisen Sie den Arzt ev. auf Ihren Kinderwunsch hin.
· Überdenken Sie, welche Situationen Ihnen Stress verursachen und was Sie dagegen tun können. Vielleicht erlernen Sie ja eine Entspannungstechnik wie Autogenes Training oder Yoga.

Gesundheit & Genetik

Marie-Luise hat von einer Freundin erzählt bekommen, dass man schon vor der Empfängnis zu einer ärztlichen Beratung gehen soll. Dort könne geklärt werden, ob die körperlichen Voraussetzungen bei Mann und Frau für eine gesunde Schwangerschaft optimal sind, und er könne das Paar über ihr genetisches Risiko aufklären. Dr. Just würde dies nur bei Paaren empfehlen, die schon ein behindertes Kind haben oder in deren Familie ein genetisches Problem vorhanden ist. Möglich sei es, die Samenqualität des Mannes beim Urologen beurteilen zu lassen.
Jedenfalls zu empfehlen ist:
· ein Bluttest, der wichtige Infektionskrankheiten überprüft, so zum Beispiel das HIV-Risiko, Toxoplasmose, Zytomegalie usw.
· Optimal ist wenn mindestens drei Monate vor Eintritt einer Schwangerschaft alle notwendigen Impfungen durchgeführt werden. Falls Sie zum Beispiel nicht gegen Röteln oder Feuchtplattern immun sind, müssen Sie sich rechtzeitig impfen lassen, um lebensgefährliche Infektionen für Ihr Kind zu vermeiden.
Wenn Sie mindestens 0,4 mg Folsäure (in Tablettenform) täglich einige Monate vor und während der ersten Monate der Schwangerschaft einnehmen, können Sie die Gefahr von Neuralrohrdefekten (Missbildungen des zentralen Nervensystems und der Wirbelsäule) und anderen Entwicklungsschäden bei Ihrem Kind erheblich senken.

Eisprung & Sex

Vivienne glaubt ihren Eisprung zu bemerken und fragt sich, wann der “optimale Zeitpunkt” für Sex mit ihrem Partner ist, damit ihr Kinderwunsch sich möglichst schnell erfüllt. Experten raten heute von einer “Liebe nach Plan”, wie sie Vivienne vorschwebt, ab, weil sie die Paare nur unter Stress setzt, und Stress die Zeugungsfähigkeit negativ beeinflusst. Man tut sich damit also nichts gutes.

Das heißt: Lernen Sie ruhig die Signale Ihres Körpers zu spüren, beobachten Sie seine Veränderungen, die im Verlauf des Zyklus auftreten können, wie Spannungsgefühl in den Brüsten, Unterleibsschmerzen, Blutungen. Aber versuchen Sie nicht diese zu kontrollieren.

Es stimmt zwar, dass die Eizelle nur etwa einen Tag befruchtungsfähig ist. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie genau zu dieser Zeit Sex haben müssen. Denn der Samen des Mannes ist etwa drei Tage befruchtungsfähig und kann in Ausnahmefällen bis zu einer Woche in Nischen des Gebärmutterhalses und im aktivierenden Zervixschleim überleben, der die Vagina schon einige Tage vor dem Eisprung auskleidet.

Durchschnittlich haben Paare zweimal in der Woche miteinander Sex – und das reicht für eine Schwangerschaft aus. Jeder Moment, in dem Mann und Frau Lust aufeinander verspüren, ist der richtige!

Janik hat gehört, dass man sich Sex “aufsparen” und auf den “goldenen Schuss” warten kann. Auch das ist ein Mythos. Dabei besteht nur die Gefahr, die fruchtbare Zeit zu versäumen. Umgekehrt bringt auch noch mehr Sex machen nichts. Denn je mehr Ejakulationen kurz hintereinander, desto geringer ist die Spermienqualität.

Temperaturkurve & Fruchtbarkeitstests

Gynäkologen raten verunsicherten Frauen nach Absetzen hormoneller Verhütungsmittel oft eine “Basaltemperaturkurve” zu führen, um abzuklären ob ein Eisprung stattfindet. Ein solches kurzfristiges Beobachten mehrerer Zyklen kann zu diagnostischen Zwecken durchaus sinnvoll sein. Ein jahrelanges akribisches Aufzeichnen bringt hingegen nichts, nicht zuletzt weil die Temperaturkurve quasi immer nur “hinterher messen” kann (dass vor ungefähr einem Tag ein Eisprung stattgefunden hat).

In Apotheken und Drogerien werden – für all jene die es genau wissen wollen (und sei es nur um den eigenen Körper besser kennen zu lernen…) – Fruchtbarkeitstests angeboten, mit denen sich der Zeitpunkt des Eisprungs und damit die fruchtbaren Tage der Frau recht genau bestimmen lassen.

Stellungen & Orgasmus

Pamela hat von einer Arbeitskollegin gehört, dass man nur in bestimmten Stellungen schwanger werden kann, und dass ein Orgasmus für die Empfängnis erforderlich ist. Das verunsichert sie, weil sie beim Vaginalverkehr nur sehr selten einen Orgasmus hat.

Zur Beruhigung: Grundsätzlich gibt es keine Stellung beim Vaginalverkehr, in der man nicht schwanger werden kann. Schon stimmt, dass die ein oder andere Position es den Spermien erleichtert, den Weg zu den Eileitern zu finden. Das gilt z.B. für die “Missionarsstellung” – die Frau liegt auf dem Rücken, der Mann auf ihr, beide sind einander zugewandt –, weil der Penis tief in die Vagina eindringen kann und die Spermien leicht bis zum Muttermund gelangen. Um diese Stellung zu optimieren kann die Frau noch ein Kissen unter ihren Po schieben, damit das Becken etwas erhöht ist. Ebenfalls optimal ist: Wenn die Frau auf Knien ruht und der Mann von hinten eindringt. Weniger geeignet ist dagegen Geschlechtsverkehr im Stehen oder Sitzen. Unabhängig von der Stellung in der Sie miteinander schlafen, gilt auch hier aber wieder: Das wichtigste ist dass der Sex Ihnen Spaß macht!

Der Orgasmus beim Mann ist Voraussetzung dafür, dass es zur Ejakulation kommt und sein Samen in der Scheide der Frau verbleibt. Wenn es bei der Frau zu einem Orgasmus kommt, begünstigen die Kontraktionen der Gebärmutter wahrscheinlich die Aufnahme der Samenzellen in die Gebärmutter und den Weitertransport in die Eileiter. Aber es ist ihr Orgasmus für die Empfängnis nicht erforderlich.

Verzichten Sie wenn möglich auf künstliche Gleitmittel. Sie können Substanzen beinhalten, die den Spermien abträglich sind. Auch übertriebene Reinlichkeit schadet mehr als sie nutzt. Seife und Intimsprays z.B. verändern die Scheidenflora ungünstig, die Spermien werden in ihrer Bewegungsfähigkeit behindert. Die Länge oder Dicke des Penis hat keinerlei Einfluss auf die Fruchtbarkeit.

Ärztliche Abklärung & Fertilitätstest

“Gut 85 Prozent der Frauen, bei denen keine groben gynäkologischen Probleme bestehen, werden nach einem halben Jahr Wartezeit spontan schwanger. Im nächsten halben Jahr kommen ca. 7-8 Prozent dazu und im folgenden Jahr noch mal 5 Prozent”, weiß Dr. Just um die Zahlen.

D.h., wenn der Zyklus normal ist – bei etwa 28 Tagen -, ist es sinnvoll sich ein bis zwei Jahre Zeit zu gönnen und in dieser Phase nichts zu unternehmen – keine Kontrolle des Monatszyklus, kein Stundenplan für den Sex. “Nach zwei Jahren Wartezeit sollte man sich dann an Spezialambulanzen wenden, die sich nur mit dem Thema Kinderwunsch beschäftigen (z.B. www.kinderwunschambulanz.at).”

Gerade Männern ist es leider erfahrungsgemäß auch heute oft noch peinlich, ihre Fruchtbarkeit beim Arzt überprüfen zu lassen. Für eine Erst-Überprüfung zuhause werden voraussichtlich Anfang nächsten Jahres Fertilitäts-Schnelltests – genannt “Fertil-Kits” – auf den Markt kommen. Mit der Version für den Mann kann die Konzentration der aktiven Spermien gemessen werden. Mit der für die Frau misst man im Urin die Hormone, die an bestimmten Tagen des Zyklus die Fruchtbarkeit anzeigen.

Hilfe aus der Natur

Es gibt keine Naturheilmittel, die nachweislich die Fruchtbarkeit erhöhen. Was sie aber oftmals können, ist über Umwegen zur Spontanempfängnis helfen: wenn sie z.B. den Hormonhaushalt normalisieren, entspannend wirken und die Stimmung erhöhen. Ein paar Beispiele:

  • Frauenmantel reguliert den Zyklus und stimuliert die Gebärmutter. Außerdem wird er bei Menstruations- und Wechseljahresbeschwerden eingesetzt (ein bis zwei Tassen vom Tee täglich).
  • Mönchspfeffer ist Bestandteil zahlreicher Medikamente, die zur Zyklusregulierung verschrieben werden. Es wirkt normalisierend auf den weiblichen Hormonhaushalt, insbesondere nach Absetzen der Pille. Die Einnahme von Präparaten sollten Sie mit Ihrem Arzt absprechen.
  • Ingwer wirkt kreislaufanregend, entzündungshemmend und krampflösend. Er hilft bei verzögerter Menstruationsblutung, lindert Schmerzen beim Eisprung und stärkt die Fortpflanzungsorgane. Ingwer kann als Gewürz oder als Zusatz zum aromatisieren von Getränken und Speisen verwendet werden.
  • Teemischungen gegen Unruhe, Nervosität und Schlafstörungen beinhalten z.B. Hopfen, Baldrian, Johanniskraut und/oder Melissenblätter. Achtung: Sie sollten nie länger als drei Monate und nicht während der Schwangerschaft eingenommen werden.

 

Foto: pixabay/Olivier_Potet

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