Kleine Forscher ganz groß

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Wie funktioniert das? Kinder sind von Natur aus neugierig und wissbegierig –wenn man sie lässt. Wie man die Lernfreude im Kindergarten nutzen kann.
Text: Anna Heisinger

Wann braucht man Licht?“, fragt Arta. „Beim Einkaufen“ kommt es aus der Runde der ein- bis fünfjährigen Kinder um sie herum prompt zurück, „sonst kann man nichts lesen.“ Die Kinder schalten die zunächst weiße Lichterkette an und sehen, dass sie bunte Lämpchen hat. Dann zerlegen sie die Taschenlampe, erfahren dass die Batterie die Energiequelle ist und dürfen die Kerze anzünden und ausblasen. Die Feinmotorik und Geschicklichkeit werden beim Zusammensetzen der Taschenlampe geschult.

Kleine ForscherInnen
Arta Krasniqi ist eine externe Wissensvermittlerin von Science Pool, die jede Woche in den Timi‘s Mini Mints Kindergarten, einem Gemeinschaftsprojekt von Kinderfreunden und ÖBB kommt. In diesem ersten Kindergarten für kleine ForscherInnen und EntdeckerInnen im ÖBB Haus am Praterstern spielt der Bildungsbereich MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) eine besondere Rolle. Kindergartenleiterin Yvonne Hager und ihre Mitarbeiterinnen haben in der Fortbildungsakademie der Kinderfreunde nach dem Konzept „Haus der Kleinen Forscher“ gelernt, wie sie solche Lernerfahrungen selbst für ganz kleine Kinder in den Kindergartenalltag einbauen können – Science Pool verstärkt das noch. Dazu gibt es eine Forscherecke und einen Technikbereich in jeder Gruppe.

Lernen durch Begeisterung
Kinder sind von Natur aus neugierig. Alles was sie entdecken, weckt ihr Interesse. Das nützen die Kinderfreunde auch im Rahmen ihrer „Wissensakademie“: Zehn einstündige Lernwerkstatt- Kurse pro Semester werden für Kinder ab vier Jahren von externen WissensvermittlerInnen im Kindergarten oder Hort gehalten. So wird den Kindern spielerisch die Welt der Chemie, Physik, Ökologie, Architektur, Mathematik, Geologie, Astronomie, Mechatronik, Archäologie, des Theaters, der Sprachen aber auch Bewegungskoordination über Musik & Tanz nahegebracht. Die Eltern und PädagogInnen können jedes Jahr aus fast 20 Kursen wählen.

Sprache und Ausdrucksfähigkeit
Dr. Karin Steiner, die Konzepte wie die Wissensakademie für die Wiener Kinderfreunde entwickelt: „Dabei geht es uns nicht um Leistung oder darum, Kinder mit Wissen zu überhäufen. Wir nützen vielmehr die kindliche Neugier und Begeisterungsfähigkeit und leiten die Kinder dabei an, selbst viele Antworten auf ihre Fragen zu entdecken.“ Die PädagogInnen fragen nach Formen und Vorgängen und die Kinder lernen, ihre Fragen zu formulieren, aber auch die Antworten, die sie selbst herausgefunden haben. Das heißt, „ganz nebenbei“ wird der Wortschatz erweitert, die Ausdrucksfähigkeit geschult und den Kindern ein neuer Lernzugang eröffnet. „Gleichzeitig ist uns das eigene Lerntempo jedes Kindes sehr wichtig. Dass es sich etwa auch zurückziehen kann.

Die Pädagoginnen und Pädagogen beobachten die Kinder, setzen Impulse und wecken ihre Begeisterungsfähigkeit. So können Themenbereiche (wie z.B. MINT) den Kindern verständlich vermittelt werden“, so Margit Tauber, Bereichsleiterin Kindergärten und Horte der Wiener Kinderfreunde. Tauber ergänzt die große Bedeutung der Beziehungsarbeit: „Erst nachdem das Kind sich gut eingelebt hat, der Beziehungsaufbau zur Pädagogin nach einer gut gelingenden Eingewöhnung abgeschlossen ist, kann das Kind frei nach seinem Wissensdrang forschen, lernen und in sich wachsen.“

Fotos: Lisi Specht, Wiener Kinderfreunde