Lernen, aber richtig!

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Lernen, aber richtig!

Wer weiß, wie’s geht, lernt leichter. Lerntrainerin und Buchautorin Dr. Katharina Turecek vom Institut für Gehirntraining verrät im Gespräch mit fratz&co ihre Tipps und Tricks.

Das neue Schuljahr hat begonnen, nun sind die ersten Hürden zu nehmen. Die Schüler sind gefordert, aber auch der Einsatz der Eltern ist gefragt. Denn richtiges Lernen können Kids nicht von allein, das will gelernt sein. Oft wird an Schulen gelehrt, wie der Schulstoff am besten verinnerlicht wird, aber meist sind zusätzliche Bemühungen der Eltern notwendig. Und wir Eltern?

Sind damit oft überfordert, zusätzlich zu unserer Arbeit und der Bewältigung des Alltags zu den Schulbüchern zu greifen. Guter Rat ist also gefragt – und genau um diesen haben wir Dr. Katharina Turecek, die sich von Berufs wegen mit dem Lernen befasst, gebeten:

fratz&co: Wie findet man als Eltern heraus, welcher Lerntyp das Kind ist?

Katharina Turecek: Auf www.lernprofil.at gibt es einen kostenlosen Kurztest zur Ermittlung der Stärken und Chancen Ihres Kindes. Das Lernprofil erfasst alle Bereiche, die für schulischen Erfolg wichtig sind: Motivation, Organisation, Konzentration, Lernen, Gedächtnis und die Wiedergabe. Das Ergebnis des Tests wird in Form eines Lernsterns wiedergegeben.

So ist auf einen Blick ersichtlich, in welchen Bereichen ein Kind bereits gut entwickelt ist und wo noch Ausbaupotenzial besteht. Aus den individuellen Stärken und Chancen ergibt sich der Lerntyp.

fratz&co: Was ergibt sich aus dem Lerntypen für das beste Vorgehen beim Lernen?

Katharina Turecek: Das Lernprofil zeigt auf, in welchen Bereichen ein Schüler/eine Schülerin sich noch verbessern kann. Denn um erfolgreich lernen zu können, bedarf es vieler verschiedener Fähigkeiten. Wer sein gesamtes Lernpotenzial entfaltet, kann optimal lernen und dabei hilft das Trainingsprogramm im Buch „Erfolgreich mit dem Lernprofil“.

fratz&co: Inwieweit können/sollen Eltern Kinder beim Lernen unterstützen oder sollte das Ziel nicht vielmehr sein, dass Kinder das eigenständige Lernen lernen?

Katharina Turecek: Es ist sehr wichtig, dass Kinder lernen, ihr eigenes Leben in die Hand zu nehmen. Als Elternteil kann ich da allerdings begleiten und unterstützen. Etwa indem ich vorzeige, wie ich selber lerne. Wenn Ihr Kind Sie dabei beobachtet, wie Sie in einem Buch Anzeichnungen machen, wird es auch selber beim Lernen zum Highlighter greifen.

fratz&co: Wo liegen beim Lernen die größten Stolpersteine für Kinder und wie räumt man sie am besten aus dem Weg?


Katharina Turecek: Ich habe bereits zahlreiche Lernprofile österreichischer SchülerInnen ausgewertet und sehe, dass viele Kinder vor allem in den Bereichen Organisation und Konzentration Schwierigkeiten haben. Dafür verfügen sehr viele Kinder über ein außerordentlich gutes Gedächtnis. Für Eltern und Kinder bedeutet dieses Ergebnis, dass es besonders wichtig ist, Organisationsstrukturen zu erlernen. Je jünger ein Kind, desto wichtiger sind Rituale und Regelmäßigkeit. Darum wird im Buch das Lerneinstiegsritual besprochen, eine bestimmte kurze Handlung, die mich in Lernstimmung bringt.

Das kann eine kurze Atemübung sein oder auch das Glas Wasser, das ich mir auf den Tisch stelle. Wir sehen immer mehr SchülerInnen, die sich schlecht konzentrieren können, Aufmerksamkeitsdefizite werden häufiger disagnostiziert denn je. Dazu möchte ich betonen, dass aus Sicht der Gehirnforschung die Basis für unsere Aufmerksamkeit die Aktivierung unseres Gehirns ist: je fitter wir sind, desto besser können wir lernen.

Darum ist es so wichtig, dass Kinder ausreichend schlafen (ein 10-jähriges Kind benötigt 10 Stunden Schlaf pro Nacht), genügend Wasser trinken und regelmäßig Bewegung an der frischen Luft machen. Wenn ich mich von Chips und Energy Drinks ernähre und bis spät in die Nacht Computerspiele spiele, darf ich mich nicht wundern, wenn ich mich nicht konzentrieren kann.

fratz&co: Wie lernen Kinder, sich selbst zu motivieren – vor allem, wenn es Misserfolge gab?

Katharina Turecek: Unser Schulsystem konzentriert sich auf die Fehler, die man macht. Wenn ein Kind zuhause einen Test herzeigt, sieht man als Elternteil zunächst einmal das, was falsch geschrieben ist. Hier ist ein Umdenken gefragt: sowohl die SchülerInnen selbst als auch die Eltern sollten Ihre Aufmerksamkeit auf die Wissensinhalte richten, die gut gelernt wurden. So werden diese noch zusätzlich gefestigt und die Motivation steigt.

Zur Motivation ist es auch wichtig zu sagen, dass wir alle mit mehr Tatendrang zur Sache gehen, wenn wir ein Ziel vor Augen haben. Darum rate ich SchülerInnen in meinem Buch „Erfolgreich mit dem Lernprofil“ auch, sich ein Lernziel zu setzen.

Da aber die meisten Lernziele zunächst unerreichbar weit weg erscheinen, ist es wichtig, dieses Ziel in kleine Teilschritte zu zerlegen. Besonders gut gefällt mir etwa die Übung „Leseschiff“, bei der ich ein Schiff auf meiner Pinnwand Station für Station weiterreisen lassen darf, für jedes Kapitel das ich gelesen habe.

fratz&co: Welche Rolle spielt Selbst-Organisation beim Lernen?

Katharina Turecek: In der Schule lerne ich nicht nur reine Daten und Fakten, sondern auch wichtige Arbeitsstrategien für mein späteres Berufsleben. Wenn ich früh lerne, mich zu organisieren, profitiere ich davon mein ganzes Leben! Eine einfache Organisationstechnik zum Einsteigen ist das Verfassen von To-do-Listen. Jeder liebt es, erledigte Aufgaben wegstreichen zu dürfen!

fratz&co: Was hat sich hinsichtlich des Lernens gegenüber früher verändert, ist Lernen einfacher oder schwieriger geworden?

Katharina Turecek: Die größte Schwierigkeit der multimedialen Welt ist, dass man lernen muss, mit all den Ablenkungen umzugehen. Ein Schüler/eine Schülerin der/die am Schreibtisch Mathematik lernen möchte, während nebenbei der Computer läuft und das Handy klingelt, wird regelmäßig aus seiner/ihrer Konzentration gerissen.

Dafür wird im Gegensatz zu früher heute größerer Wert auf Zusammenhänge und Verständnis gelegt. Lernen ist also weniger „auswendiglernen“ als es früher war, auch wenn an österreichischen Schulen immer noch viel auswendig gelernt wird.

Die sechs wichtigsten Tipps für erfolgreiches Lernen von Lern-Profi Katharina Turecek

1) Motivation: Denke positiv: Nütze die Macht der Gedanken und muntere dich beim Lernen selber auf: „Das schaffe ich locker!“

2) Organisation: Plane und mache Platz: Überlege dir, wann du was erledigen willst und schaffe Ordnung auf deinem Arbeitsplatz!

3) Konzentration: Achte auf deinen Körper: Wer müde oder hungrig ist, kann sich nicht konzentrieren, je fitter dein Körper ist, desto fitter ist auch dein Kopf!

4) Lernen: Stelle Fragen: Befrage dich selbst und andere und versuche deine Fragen in eigenen Worten zu beantworten.

5) Gedächtnis: Sei aufmerksam! Lies dir Worte, die du behalten möchtest, gut durch!

6) Wiedergabe: Übung macht den Meister: Übe vor schriftlichen Tests, Antworten aufzuschreiben und lasse dich vor mündlichen Prüfungen abfragen.

Buchtipp

Erfolgreich mit dem Lernprofil
Dr. Katharina Turecek, MSc. Verlag Krenn
www.hubertkrenn.at
ISBN 978-3-99005-111-5

Foto: g-stockstudio/Shutterstock.com

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