Schützen lohnt sich

Seit kurzem wird die HPV-Impfung für Kinder zwischen neun und 12 Jahren kostenfrei angeboten. fratz&co-Redakteurin Helene Fiegl hat hinterfragt, wie sinnvoll die Impfung wirklich ist. Lesen Sie hier alles Wissenswerte über HPV!

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„Mama! Papa! Wozu brauche ich eine Humane Papi-dingsbums Impfung?“ „Das schützt vor Krebs, für später …“ Mit einer Erklärung zur HPV-Impfung dürfen sich seit heuer die Eltern aller Viertklässler plagen, denn so ganz ins Detail mag man bei den Neunjährigen dann doch nicht gehen und ihnen die möglichen Nebenwirkungen von Geschlechtsverkehr bezüglich Gebärmutterhals-, Vaginal-, oder Analkarzinomen schildern.

In Österreich sieht das Impfkonzept inzwischen 13 Gratis-Impfungen vor, darunter die bekannten Immunisierung gegen Masern, Rota-Viren oder Tetanus. Vor zwei Jahren kamen die Impfungen gegen Pneumokokken und Meningokokken dazu und schlussendlich die HPV-Impfung. Sie wird seit heuer für alle in Österreich lebenden Kinder in der vierten Schulstufe angeboten.

Schutz vor Gebärmutterhalskrebs und bösartigen Tumoren HPV ist die Abkürzung für Humane Papilloma Viren, zu denen eine größere Gruppe von Viren gehört. Übertragen werden die Viren durch direkten Schleimhautkontakt, wie durch Geschlechtsverkehr oder Geburt. Die Impfung soll vor den häufigsten und gefährlichsten HPV-Typen schützen. Dass die HPV-Impfung eine reine „Frauen-Angelegenheit” ist, ist Geschichte.

HPV wird sowohl von Frauen als auch von Männern übertragen und beide Geschlechter erkranken gleichermaßen. Eine bestehende Erkrankung kann durch eine Impfung nicht kuriert werden, diese wirkt nur vorbeugend. Eine HPV-Infektion kann die Ursache für die Entwicklung bösartiger Tumore sein, darunter Krebsformen im HNO- und Genitalbereich. Bestimmte Virentypen können infektiöse, stark wachsende Hautveränderungen im Genitalbereich (Condylome / Feigwarzen) verursachen.

Auch ein Großteil der Gebärmutterhals-Karzinome sowie solche im Mund-Rachen-Raum gegen auf das Konto der HP-Viren. In Österreich erkranken jährlich rund 400 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, 150 davon sterben. Gebärmutterhalskrebs stellt weltweit die zweithäufigste Krebsform und die dritthäufigste Todesursache durch Krebs bei Frauen dar. Derzeit sind zwei HPV-Impfstoffe am Markt. Der erste ist gegen die Hochrisiko-Typen 16 und 18 wirksam. Der zweite ist zudem gegen die HPVTypen 6 und 11 gerichtet, die in erster Linie die Ursache für die Entstehung von Genitalwarzen sind. Die Hochrisiko-HPV-Typen 16 und 18 zeichnen weltweit für etwa 70 Prozent aller Gebärmutterhalskrebskarzinome verantwortlich. Auch 70 Prozent der Vulva- und Vaginalkarzinome und 90 Prozent der Analkarzinome plus jeweils deren Vorstufen gehen auf ihr Konto.


Nutzen und Risiko Unsere Fragen rund um die Impfung hat Prim. Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer, Leiter der Kinder- und Jugendabteilung am Landesklinikum St. Pölten – Lilienfeld, beantwortet.

fratz&co: Warum soll schon so früh, bereits in der Volksschule, geimpft werden?

Prim. Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer: Österreich hat sich entschieden, die HPV-Impfung für Mädchen und Buben kostenfrei zur Verfügung zu stellen, da sich aus der Impfung von Mädchen und Buben nicht nur ein individueller, sondern auch ein hoher epidemiologischer Nutzen ergibt. Nur auf diesem Weg kann die Infektionskette der HPV Erkrankungen durchbrochen und ein Herdenschutz erreicht werden. Der einzelne profitiert am meisten, wenn vor Eintritt in das sexuell aktive Alter geimpft wird. Zudem ist bei der Impfung in diesem Lebensalter ein einfacheres Impfschema anwendbar, das mit weniger Stichen – zwei statt drei – den gleichen guten Schutz bieten kann.

fratz&co: Warum braucht man später drei statt zwei Teilimpfungen?

Prim. Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer: Nach dem abgeschlossenen 13. Lebensjahr muss die HPV Impfung zur Erreichung eines gleichwertigen Schutzes drei Mal gegeben werden. Gründe für die Möglichkeit in der jüngeren Altersgruppe mit nur zwei Impfungen einen Schutz zu erreichen, sind Untersuchungen zur Immunogenität, die bei der Altersgruppe der neun bis 13-Jährigen mit zwei Impfungen vergleichbar gute Ergebnisse zeigen wie mit drei Stichen bei höheren Altersgruppen.

fratz&co: Macht eine Impfung bei 20- oder 30-jährigen auch noch Sinn?

Prim. Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer: Auch für ältere Frauen und Männer kann die Impfung empfohlen werden, da sie auch nach bereits erfolgter Infektion oder durchgemachter Erkrankung mit einem Typ von Humanen Papilloma Viren, der in der Impfung enthalten ist, vor Infektionen mit weiteren, durch den Impfstoff abgedeckten, HPV Typen schützen kann. Auch das Vorliegen von Condylomen oder Dysplasien im Genitalbereich ist kein Ausschlussgrund für die Impfung, allerdings kann die Impfung dann nur vor neuen Infektionen mit anderen HPV Typen schützen und es darf sich kein therapeutischer Effekt der Impfung auf schon bestehende Infektionen erwartet werden. Grundsätzlich wird vor der Impfung keine HPV-Testung empfohlen.

fratz&co: Entfällt für Geimpfte dann später der Krebs-Abstrich im Rahmen der Gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung?

Prim. Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer: Die HPV-Impfung ändert grundsätzlich nichts an der generellen Empfehlung, die gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen mit Krebsabstrich (PAP-Abstrich) und eventuell notwendige Behandlungen in den empfohlenen Abständen weiterhin durchzuführen. Die derzeitigen HPV Impfstoffe schützen vor den gefährlichsten, aber nicht gegen alle Krebs verursachenden HPV Typen.

fratz&co: Weiß man eigentlich schon wie lange der Impfschutz anhält?

Prim. Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer: Die HPV-Impfung ist noch zu neu und die Erfahrungen sind noch zu kurz, um eine abschließende Bewertung der Dauer des Impfschutzes zu ermöglichen. Laufende Untersuchungen über die Dauer des Impfschutzes werden aber durchgeführt, sodass zeitgerecht gegebenenfalls Auffrischungsimpfungen empfohlen werden können.

fratz&co: Mit welchen Nebenwirkungen muss man rechnen?

Prim. Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer: Als Ausdruck der normalen Auseinandersetzung des Organismus mit den HPV-Impfstoffen kann es innerhalb von ein bis fünf Tagen an der Impfstelle zu Rötung, Schwellung und Schmerz kommen. Auch Allgemeinreaktionen wie leicht erhöhte Temperatur, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen sind in den klinischen Studien beschrieben worden. Aus der klinischen Anwendung der letzten Jahre wissen wir aber, dass die genannten Reaktionen vorübergehend sind und rasch und folgenlos wieder abklingen. Seltene schwere Ereignisse wurden bei Geimpften bisher nicht häufiger beobachtet als bei ungeimpften Personen, ein ursächlicher Zusammenhang solcher Ereignisse mit der Impfung ist nicht erkennbar.

Foto: adriaticfoto/ Shutterstock.com

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