Familienfreundliche Betriebe

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Deshalb sind Arbeitgeber gut beraten, ihre MitarbeiterInnen in dieser Sache unterstützen. Was das bringen soll? Eine ganze Menge sogar – und zwar allen Beteiligten! Fratz & Co hat Betriebe besucht, die’s vor machen!

Wenn Patricia Lehner von Johnson & Johnson Österreich mittags nachhause kommt, steht sofort ein komplettes Menü für sie und ihre Kinder auf dem Tisch. Frisch zubereitet, versteht sich. Denn die Mahlzeiten aus der Betriebskantine kann sie auch für die Familie mit nach Hause nehmen. Und als besonderen Service kann die Marketingmanagerin des erfolgreichen Gesundheitskonzerns einen Wäschedienst in Anspruch nehmen.

Seit der Geburt ihres ersten Kindes arbeitet Patricia Lehner bei Johnson & Johnson in Teilzeit. Ein Wechsel auf Vollzeit wäre dabei jeder Zeit wieder möglich. Und damit nicht genug: “Nur an 2 Tagen pro Woche arbeite ich im Büro, ansonsten von zu Hause aus”, berichtet die zweifache Mutter. Ihre Kids können kostenlos an englischsprachigen Feriencamps teilnehmen und sind auch im Betrieb jeder Zeit willkommen: Eine eigene Spielecke wartet dort schon auf sie. Und dass die engagierte Businessfrau gleiches Gehalt wie ihre männlichen Kollegen bezieht, ist gar kein Thema. Job und Familie unter einen Hut bringen – man könnte meinen, für Patricia Lehner fast ein “Kinderspiel”!

Eine Investition, die sich bezahlt macht

Dass familienfreundlich Maßnahmen für Betriebe meist mit Kosten verbunden sind, liegt auf der Hand. Warum also tun sie das? Bestimmt nicht zuletzt aus eigenem Interesse. Denn vieles davon fließt wieder in das Unternehmen zurück:
Die MitarbeiterInnen identifizieren sich mit dem Betrieb, sie sind einsatzbereiter, motivierter und leisten mehr.
Die Folge: Die kostenintensive Fluktuation von qualifiziertem Personal wird verringert
Die Stressbelastung sinkt
In Folge dessen werden weniger Krankenstände verzeichnet
Der Bekanntheitsgrad der Firma steigt
Das Unternehmensimage gewinnt
Alles zusammen bewirkt, dass das Potenzial der MitarbeiterInnen optimal genutzt wird. Die Wettbewerbsfähigkeit steigt.

Auf Familienkompetenzen kommt es an

Mütter und auch immer mehr “aktive” Väter haben in der Familie Kompetenzen erworben, die sie zu wertvollen Mitgliedern eines Teams machen: Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen, auf Unerwartetes reagieren können, sich durchsetzen, mitfühlen und Konflikte lösen – Eltern sind hervorragende Teamspieler, die in Geduld und Flexibilität geübt sind.
Und ohne Organisationsfähigkeit läuft mit Kindern schlichtweg gar nichts. “Familienkompetenzen sind in vielen Berufen, ob im Kundenkontakt oder in Top-Positionen, besonders gefragt”, erklärt Alice Pitzinger-Ryba von der Initiative für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auf diese Ressource wollen viele Firmen heute nicht mehr verzichten.

Und in einer Zeit, in der Beschäftigungsverhältnisse tendenziell immer kürzer werden, ist die Bedeutung von Familienorientierung besonders groß. “Viele unserer MitarbeiterInnen gehören dem Betrieb bereits 10 Jahre und länger an”, berichtet Johnson & Johnson-Chef Johannes Pattermann, “Familienorientierung wäre aus unserem Unternehmen nicht mehr wegzudenken.”

Familienfreundlichkeit ist ein wichtiger Wettbewerbsfaktor geworden

Immer mehr Firmen erkennen die Vorzüge einer familienorientierten Unternehmenskultur. In den USA, in Frankreich oder in den skandinavischen Ländern beispielsweise sind familienfreundliche Betriebe längst die Regel.
Eine familienorientierte Philosophie wird auch im Österreich-Department des schwedischen Möbelriesen Ikea gelebt, in dem 2.100 MitarbeiterInnen beschäftigt sind. Ein besonderer Bonus: Im hauseigenen Betriebskindergarten werden Kinder täglich von 6:30 bis 20:00 betreut. Darüber hinaus erhält das Personal ein umfangreiches Sozialpaket, das Pensionsvorsorge, Einkaufsrabatte und Weiterbildungsmöglichkeiten beinhaltet.

Beim Telefonbuchverlag Herold Business Data sind Gleitzeit und Teilzeitvarianten auch in der Chefetage Standard, ein Drittel der Führungspositionen ist in weiblicher Hand. Die Arbeitszeit kann auch geblockt werden, etwa auf zwei Wochen pro Monat. Seit kurzem ist auch dafür gesorgt, dass Kinder an schulfreien Tagen betreut werden.

“Dieser Service ist für mich als zweifacher Vater eine unsagbare Unterstützung”, berichtet Gerhard Stock vom Herold-Qualitätsmanagement, “denn wenn Schule und Kindergarten geschlossen sind, steht man als berufstätiger Elternteil vor einem Hindernis, das man ohne Unterstützung nicht bewältigen kann.” Noch in diesem Jahr sollen für die 438 Mitarbeiter Telearbeitsplätze eingerichtet werden.

Dazu können ebenso gestresste wie verantwortungsbewusste Eltern während der Dienstzeit Massagen genießen und an Erste-Hilfe-Kursen teil nehmen. Firmenautos und Diensthandys können auch privat genutzt werden.

Auch Klein- und Mittelbetriebe setzen auf dieses Pferd

Familienfreundlichkeit zeigt sich nicht nur dabei, kostenintensive Großprojekte wie Betriebskindergärten zu verwirklichen. In erster Linie geht es darum, kleine Hilfestellungen zu bieten, die Großes bewirken.
Ein Beispiel: In der Salzburger Spielzeugschachtel sind 4 Mitarbeiterinnen beschäftigt. Der gesamte Dienstplan richtet sich nach ihren familiären Bedürfnissen. “Wenn ein Kind krank wird, ist es selbstverständlich, dass an diesem Tag die Arbeit für die Mutter ruht”, erzählt Geschäftsführerin Adele Liedl, “das lohnt sich für alle: Ist Not an der Frau, springt sie dafür auch gerne für eine andere Kollegin ein.”

Und zwischen Puppen und Matchboxautos wurde sogar ein eigener Aufenthaltsraum für die Sprösslinge des Teams eingerichtet. Außerdem unterstützt Adele Liedl ihre Mitarbeiterinnen, einen Kinderbetreuungsplatz zu finden.

Menschliche Werte werden auch in der Agentur Fiala beruflich wie privat groß geschrieben. Von den 10 Angestellten haben 9 Kinder, 8 sind Frauen. Arbeiten von zu Hause aus, Teilzeit und flexible Arbeitszeit stehen auf der Tagesordnung. “In der Werbebranche sind neben entsprechender Qualifikation kreative Einfälle, wirtschaftliches Denken, Flexibilität und Verlässlichkeit gefragt”, so Agenturchef Johann Fiala, “Frauen zeigen diese Eigenschaften ganz besonders. Sie sind kreativ und belastbar.

Ich versuche deshalb, Rahmenbedingungen zu schaffen, die meinen Mitarbeiterinnen den Alltag erleichtern.” Wiedereinsteigerinnen werden bei Fiala mit Weiterbildungen, in Form von EDV-Kursen oder persönlichen Coachings, besonders gefördert.

Auf Frauen- und Familienfreundlichkeit umsatteln – wer hilft

Starthilfe und Begleitung von Betrieben auf ihrem Weg in die Familienfreundlichkeit bietet das Audit Familie & Beruf: Gemeinsam mit den Zuständigen des Unternehmens werden Maßnahmen erarbeitet, die speziell auf den Betrieb zugeschnitten sind. Nach erster Umsetzung erfolgt ein Check-Up, der auf dem Punktesystem des “family-friendly-index” basiert.
Dieses System zur der Bewertung der Familienorientierung von Betrieben wurde 1991 in den USA entwickelt. Dort hat es sich mittlerweile zu einem anerkannten Instrument der Personalpolitik entwickelt. Hat der Betrieb eine gewisse Punktezahl erlangt, wird ihm ein staatliches Zertifikat verliehen, das drei Jahre gültig ist. Die umgesetzten Maßnahmen werden laufend angepasst und weiter entwickelt.

Ebenfalls eine staatliche Auszeichnung und breite Medienresonanz erhalten die Siegerbetriebe des seit 1999 jährlich veranstalteten Wettbewerbs “Frauen- und familienfreundlichster Betrieb Österreichs”. Bewerben kann sich jeder Betrieb, der sich für die familiären Anliegen seines Teams engagiert.

Foto: Shutterstock.com Zurijeta

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