Schlaf Kindlein schlaf…

Der Refrain dieses Kinderliedes treibt Ihnen Angstschweiß ins Gesicht und Tränen in die Augen? Seit Sie ein Baby haben, wissen Sie, warum Schlafentzug als Foltermethode gilt? Auch fratz-Autorin Isabel Müller kannte erholsamen Schlaf nur mehr aus Erzählungen, nachdem ihr kleiner Sohn die Herrschaft über Tag und Nacht übernommen hatte…

Ich erinnere mich noch gut, wie ich kurz nach der Geburt verzweifelt war, weil ich nicht nur abends und nachts, sondern sogar tagsüber Schwierigkeiten hatte, meinen Sohn in den Schlaf zu begleiten. Schnuller? Fehlanzeige. Stillen und Kuscheln? Danach war mein Kleiner erst recht wieder gestärkt und voller Tatendrang. Eine Fahrt im Kinderwagen? Nett, aber auch das rhythmische Schaukeln war keinesfalls eine Garantie für eine Schlummerzeit. „Irgendwie muss ich es doch schaffen, ihn zum Schlafen zu bringen!“ dachte ich unzählige Male frustriert. Und da Schreien lassen für mich nicht in Frage kam, war es offensichtlich an der Zeit, etwas über das Schlafverhalten von Babys zu lernen.

So klein und doch schon so kompliziert

In den ersten Lebensjahren mit Baby oder/und Kleinkind sehen sich alle Eltern
früher oder später mit Schlafmangel konfrontiert. Für frischgebackene Eltern mit tiefen Augenringen gibt es zwar die tröstende Botschaft: „Irgendwann schläft jedes Kind durch!“ Die Betonung dabei liegt allerdings wirklich auf dem Wort IRGENDWANN. Säuglinge müssen „richtiges Schlafen“ erst lernen und auch wenn es einige Nächte lang klappt, heißt das leider nicht, dass es für immer so bleiben wird. Weil Babys gerade in ihren ersten Lebenswochen sehr oft viele kleine Mahlzeiten zu sich nehmen und erst einen Schlaf-Wach-Rhytmus entwickeln müssen, kann man bis zum dritten Monat keinerlei Anhaltspunkt geben, wann und wie oft ein Baby schlafen soll oder muss. Laut gesammelter Erfahrungswerte lässt sich aber festhalten, dass ein Neugeborenes etwa 16 bis 18 Stunden Schlaf benötigt. Die meisten Babys schlafen tagsüber ca. zwei bis drei Stunden, nachts im Bestfall bis zu sechs Stunden am Stück. Wussten Sie übrigens, dass man bei Babys schon ab fünf Stunden von einer durchgeschlafenen Nacht spricht? (Quelle Schlafstudie: https://www.familienhandbuch.de/haufige-probleme/schlafprobleme-beikindern/wenn-kinder-nicht-schlafenkonnen)

Da es in Mamas Bauch immer angenehm warm und schön dämmrig war, kennen Babys anfangs auch keinen Unterschied zwischen Nacht und Tag. Diesen begreifen sie erst mit ca. einem halben Jahr und schlafen dann meist auch nachts mehrere Stunden durch. Interessant ist, dass es schon in der Schwangerschaft einen Wechsel von Schlaf- und Wachphasen gibt und zwar ungefähr ab der 36. Woche. Allerdings können sich die Schlafrhythmen von Mama und Baby erheblich unterscheiden. Babys Schlaf besteht wie der von Erwachsenen aus verschiedenen Phasen. Von leichtem Schlaf, traumlosem Tiefschlaf bis zu dem so genannten REMSchlaf ist alles dabei. Mit REM (Rapid Eye Movements) werden die Phasen schneller Augenbewegungen bezeichnet, die ein typisches Zeichen für Träume sind. Laut einem Artikel auf www.elternwissen.com dauert eine Schlafphase (Durchlaufen von Leichtund Tiefschlaf bis zur Traumphase) von Erwachsenen etwa 90 Minuten, bei einem Baby allerdings anfangs nur 45 bis 50 Minuten. Auch befinden sich Erwachsene nach dem Einschlafen relativ schnell wieder in einer Tiefschlafphase und träumen erst am Ende jeder 90-minütigen Schlafperiode. Für viele Babys hingegen beginnt der Schlaf mit einem Traum und sie schreien aus Angst auf, was auf Eltern wirken kann, als ob sich ihr Baby gegen das Schlafen wehren würde. Gut also, zu wissen, dass die Mehrzahl aller Babys und Kleinkinder sechs- bis siebenmal pro Nacht kurz aufwachen und dann meist nach ihren Eltern schreien.

Schlafen nach Plan

Manche Babys holen sich den Schlaf, den sie brauchen, ganz alleine. Sie schlafen, wenn sie müde sind oder sammeln sich ihren benötigten Schlaf tagsüber bei kurzen Autofahrten, im Kinderwagen oder wo auch immer. Andere Babys hingegen müssen zum Schlaf „angeleitet werden.“ Das ist für viele Eltern mühsam und ich kenne es aus eigener Erfahrung. Wie schon anfangs erwähnt, ist der Schlafbedarf von Babys individuell verschieden und ändert sich laufend, was es nicht leichter macht, zu wissen, wann man sein Baby schlafen legen soll. Natürlich können Sie es nicht zwingen, immer dann zu schlafen, wann Sie gerade eine Pause möchten. Auch werden Sie keinen Erfolg haben, wenn Sie Ihr Baby schlafen legen, obwohl es offensichtlich wach und in Spiellaune ist. Aber Sie können Ihrem Tag und dem Ihres Babys sehr wohl eine Struktur geben, denn auch Babys sind Gewohnheitstiere und lieben fixe Abläufe. Als mein Sohn einige Monate alt war, beschloss ich, dass es an der Zeit wäre, in zu festgelegten Zeiten schlafen zu legen. Bisher war es meist so gewesen, dass er unberechenbar entweder zufällig beim Stillen oder im Kinderwagen eingeschlafen war und sich nach ungefähr einer halben Stunde wieder meldete.

Wichtig für mich war wie erwähnt, zu erkennen, wann mein Sohn müde war. Denn der Zeitpunkt, zu dem ein Baby hingelegt wird, ist ganz ent-scheidend dafür, wie gut und lange es schlafen wird! Zeichen dafür, dass Babys müde sind, können zum Beispiel sein:

  • Gähnen (Ich weiß, eine bahnbrechende Neuigkeit!)
  • Abwesender Blick, „müde“ Augen oder Augenreiben
  • Fehlendes Interesse beim Spielen
  • Gereiztes, hysterisches Weinen oder Quengeln
  • Verlangen nach Mamas Brust, Fläschchen oder Schnuller
  • Daumenlutschen, Haare zwirbeln

Ich helf dir schlafen! Es gibt verschiedenste Methoden, Ihrem Baby beim (Ein-)Schlafen zu helfen und glauben Sie mir, je früher Sie Ihr Kleines mit einer oder mehreren davon vertraut machen, umso besser für Sie und Ihr Baby. Ein Baby weiß nämlich nicht auf Knopfdruck, wann Schlafenszeit ist und versteht nicht, warum in einem Moment noch fröhlich mit Mama und Papa im Wohnzimmer gespielt wird und im nächsten plötzlich im dunklen Zimmer alleine geschlafen werden soll. Mein Sohn schlief die ersten Monate abends meist nach seiner letzten Stillmahlzeit ein und wir legten ihn in sein Bettchen, wo er fast immer problemlos weiterschlief. Als er sich dann aber selbst abstillte, standen wir prompt vor einem Problem, weil wir kein begleitendes Ritual eingeführt hatten und unser Kleiner natürlich protestierte, als wir ihn einfach so, ohne erkenntlichen Übergang schlafen legen wollten. Inzwischen haben wir nach dem gemeinsamen Abendessen einen festen Ablauf, der jeden Tag etwa um dieselbe Zeit mit dem gleichen Programm abläuft. Schon nach ein paar Tagen hatte sich unser Sohn daran gewöhnt und auch wir genießen die halbe Stunde vor dem Schlafengehen mit ihm ganz bewusst und nehmen uns Zeit für die einzelnen Schritte.

Auch wenn die Kleinen größer werden, z.B. wenn sie in eine Krabbelgruppe oder den Kindergarten kommen, wird das Thema Schlafen gehen oftmals wieder zum kräfteraubenden Akt. Ebenso nicht zu unterschätzen ist, dass viele Kinder nach einem Urlaub oder einer Krankheit und den damit verbundenen verschobenen Schlafenszeiten Probleme haben, wieder zu den gewohnten Zeiten einzuschlafen. Auch hier kann ein fester Ablauf helfen! Jede Familie hat ihren eigenen Zeitplan und es gibt auch keine Erfolgsgarantie für friedlich schlummernden Nachwuchs und erholsame Nächte. Ein Abendritual hilft aber, sich auf den Schlaf einzustimmen und ist ein schöner Tagesabschluss für Kinder und Eltern. Vielleicht gefällt Ihnen ja eine der folgenden Ideen:

  • Ein warmes Bad, evtl. mit anschließender (Baby-)Massage. Produkttipp: Penaten Gute Nacht Bad, Lotion und Öl mit NaturalCalm™ Aromen und entspannender Wirkung
  • Viele Babys lieben es, gepuckt zu werden: Wickeln Sie Ihr Kleines fest in ein Tuch oder eine Decke, damit es Begrenzung spürt (erinnert an Mamas Bauch). Auch größere Babys ziehen Schlafsäcke übrigens oft Pyjama und Decke vor!
  • Eine Geschichte vorlesen, ein Gute-Nacht-Lied vorsingen, ein gemeinsames Gebet sprechen
  • Ruhige Musik bzw. älteren Kindern eine CD mit Geschichten vorspielen
  • Kuscheltier, Schmusetuch oder Spieluhr: Am besten, Sie integrieren die besten Freunde ihres Schatzes in den abendlichen Ablauf.
  • Auch wenn es viele abstreiten: Fläschchen und Schnuller sind die unangefochtenen Lieblinge von Eltern UND Kindern, wenn es ans Schlafengehen geht. Wichtig dabei wäre, dass Ihr Baby lernt, nicht ausschließlich beim Saugen oder Nuckeln einzuschlafen.
  • Ältere Kinder haben oft Angst vor der Nacht bzw. der damit verbundenen Dunkelheit. Vielleicht kann eine spezielle Bettwäsche mit coolen Motiven helfen? Oder ein Baldachin über dem Bett Geborgenheit schenken? Auch spezielle Nachtlichter geben Kindern das Gefühl, nicht allein zu sein.

Wichtig ist, sich von keiner Methode plötzlich und sofort Erfolg zu erwarten. Auch jeden Tag bzw. Abend etwas Neues zu probieren, weil etwas nicht gleich den erwünschten Erfolg bringt, ist keine gute Idee. Man liest in jedem Ratgeber zum Thema Schlafen, dass Veränderungen und Umgewöhnungen Zeit brauchen und ich kann dem nur zustimmen. Wenn Sie das Projekt „Schlafen lernen“ zudem als Entwicklungsphase betrachten, hilft das, Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Mein Kleiner ist gerade ein Jahr alt geworden und schläft nach wie vor nicht jede Nacht durch – was mich mittlerweile nicht mehr verrückt macht. Krabbeln, Laufen, Brei essen – in allen „Babydisziplinen“ war er ein echter Frühstarter.

Das Schlafen lernen dauert eben bei ihm etwas länger und ich versuche, ihn bestmöglich dabei zu unterstützen.

Ich will da sein, wenn er mich braucht und ihm das Gefühl geben, dass er sich auch schlafend geborgen wissen darf. Und wenn ich morgens doch wieder einmal nach Gründen suche, warum die letzte Nacht gar so schlecht und schlaflos war, ärgere ich mich nicht über meinen Sohn, sondern schiebe es einfach auf die Zähne, den Mond, den Wetterwechsel…

Und ich mache etwas, das ich schon viel früher machen hätte sollen: Wenn mein kleiner Wirbelwind tagsüber schläft, nutze ich die Zeit einzig und allein für mich.

Haare waschen, lesen, schlafen oder einfach einmal nichts tun – Das sollten Sie auch mal probieren, wir haben es uns nach etlichen durchwachten Nächten wirklich verdient!

Fotos: Tobias Müller