Gesundheit: Den Kindern vergeht das Lachen

12 Millionen für psychisch angeschlagene Kinder – rund drei Milliarden Euro fürs Testen. Zwei Summen, die zeigen wie irrational und disproportional in Österreich das Geld für die Gesundheit verteilt wird.

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Österreich im Mai 2022: Die Infektionszahlen sinken, die Maskenpflicht in den Schulen ist Schnee von gestern. Was bleibt ist die Verunsicherung – eine Verunsicherung über die eigene Zukunft und die Angst vorm nächsten Mal.

Zwei Jahre Pandemie haben bei Österreichs Kindern und Jugendlichen tiefe Spuren hinterlassen. Ausgehverbote, Distanzunterricht, Maskenpflicht, empfindliche Strafen für die Unterschreitung des Mindestabstandes, … was die Pandemie bzw. die mit ihr verbundenen Maßnahmen in den vergangenen zwei Jahren in der Psyche unserer Kinder hinterlassen haben, werden erst die nächsten Jahre zeigen. Fakt ist, dass die Auswirkungen gravierend sind, wie verschiedene Studien schon jetzt zeigen. Bereits im Februar 2021 lieferte eine Studie der Donau-Uni ein erschreckendes Bild. Laut dieser Studie gab fast jeder sechste Jugendliche an, dass er in den vergangenen Monaten entweder täglich oder an mehr als der Hälfte der Tage suizidale Gedanken hatte. 55% hatten Symptome einer Depression. (Siehe dazu Artikel: „Wenn Dreizehnjährige sich umbringen wollen.“)

Gesund aus der Krise

In geradezu atemberaubender Geschwindigkeit – entschuldigen Sie den Sarkasmus – reagierte Österreich auf die zunehmend dramatischer werdende Situation. Ein Jahr nach der Studie, im Februar 2022, wurde die Initiative „Gesund aus der Krise“ präsentiert. 12,2 Millionen Euro sind für diese Initiative, die Kindern und Jugendlichen bei der Bewältigung psychosozialer Probleme in Folge der Covid-19-Krise helfen soll, reserviert. Zum gleichen Zeitpunkt hatte Österreich bereits an die 2,6 Milliarden Österreich für Massentestungen ausgegeben. Mittlerweile werden es wohl drei Milliarden sein. Bis dato wurde – rein rechnerisch – jede:r Österreicher:in mehr als 20mal auf das Vorhandensein des Corona-Virus in seinem Körper getestet.

Fassen wir zusammen: Österreich hat in den vergangenen 2 Jahren drei Milliarden Euro dafür ausgegeben um festzustellen wer, wann, wo mit dem Virus infiziert war. Der Erfolg: Immerhin wissen wir heute, dass nahezu die Hälfte aller Österreicher:innen – exakt waren es 46,3% – zumindest bereits einmal den Virus in sich trugen. Was wir mit diesem Wissen machen: Ähm, …

Triage bei Kindern & Jugendlichen

Zurück zum eigentlichen Thema: Seit rund 20 Jahren warnen Expert:innen vor einem Versorgungs-GAU bei der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Im Dossier-Magazin zum Thema Gesundheit meint etwa Paul Plener, Primar am Wiener AKH: „Die Pandemie hat eine deutliche Zunahme an psychischen Erkrankungen gebracht, mehr Suizidversuche. Wir stehen schon jetzt vor einer Triage in der Psychiatrie.“ Mit anderen Worten: Das wovor landauf und landab während der Pandemie alle gewarnt haben – nämlich die Aussortierung von Menschen nach der Schwere der Erkrankung bei der in der Folge auch der Tod des Betroffenen in Kauf genommen werden muss – ist im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie längst Realität.

Kassenfinanzierte Psychotherapie: 30 Jahre ohne Einigung

Doch nicht nur in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist die Unterversorgung ein Dauerthema. Auch was die Psychotherapie betrifft hat Österreich eine Dauerbaustelle. Seit mehr als 30 Jahren ringen Politik, Sozialversicherung und Berufsvertretungen um eine kassenfinanzierte Psychotherapie. Geben tut es sie bis heute nicht. Kassenfinanzierte Therapieplätze sind kontingentiert. Wer keinen Therapieplatz erhält hat Pech und muss selber zahlen. An die 100 Euro pro Stunde – je nach Kasse gibt’s dann 28 bis 40 Euro zurück.
Das kann ins Geld gehen und manche Familien finanziell mehr als überfordern. Ebenso wie der Besuch des Kinderarztes bzw. der Kinderärztin, so man keinen Kassenarzt findet und notgedrungen auf eine:n Wahlärzt:in ausweichen muss (siehe dazu Artikel: Un(ter)versorgt: Österreich fehlen die Kinderärzte.) Die Zweiklassenmedizin ist in Österreich – trotz Pflichtversicherung – längst Realität. Betroffen davon sind vor allem Kinder und Jugendliche.

Warum das so ist?

„Kinder haben keine Lobby“ bringt es der bereits erwähnte Paul Plener auf den Punkt. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Leider,
meint Ihr
Gernot Goldegg

Bild: pixabay/Myriams-Fotos

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Corona-Tests im Vergleich: Die Top 10 Länder

 

Land Einwohner
in Mio.
Tests*
in Mio.
Test je 
Einwohner
Volksrep. China 1 412,55 9 214 6,5
USA 333,39 875 2,6
Indien 1 405,22 841 0,6
Ver. Königreich 67,84 500 7,4
Russland 145,45 292 2,0
Frankreich 65,63 271 4,1
Italien 59,53 216 3,6
Österreich 8,98 184 20,5
Türkei 85,68 160 1,9
Ver. Arab. Emirate 9,96 157 15,8

*Gesamte Anzahl an Tests

Quellen: https://www.corona-in-zahlen.de/weltweit/

bzw. bei Einwohnern: statista.de u.a.