Früherkennung von Sprachentwicklungsstörungen

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Eltern sind die Experten, wenn es um die Bedürfnisse und Fähigkeiten ihrer Kinder geht. Durch eine starke Bindung und viel gemeinsame Zeit kennen sie einander sehr gut. Deshalb ist es keine Überraschung, dass Mütter und Väter ein gutes Gespür haben, wenn mit ihrem Kind „etwas nicht stimmt“. Viele Eltern reagieren auf ein solches Gefühl mit Unsicherheit, Sorge und suchen die „Schuld“ bei sich und ihren Verhaltensweisen. Sie beginnen, ihr Kind mit Gleichaltrigen zu vergleichen und stellen vielleicht in verschiedenen Bereichen Defizite fest. Dabei ist wichtig zu erwähnen, dass jedes Kind sein individuelles Tempo hat und meist auch genetische Faktoren eine sehr große Rolle beim Entwicklungsverlauf spielen.

Wenn es im Bereich der Sprache Rückstände gibt, fällt meist auch außenstehenden Personen aus dem Familien- und Freundeskreis auf, dass dem Kind „die Worte fehlen“. Der Zeitpunkt des 2. Geburtstages (24 Monate) hat für die Sprachentwicklung einen wichtigen Stellenwert.
Das Kind sollte, trotz individueller Entwicklungsverläufe, zu diesem Zeitpunkt mindestens 50 Wörter sprechen können und beginnen, sie miteinander zu kombinieren (Papa da, Hund weg,…). Bei der Mutter-Kind-Pass Untersuchung zwischen dem 22. und 26.Lebensmonat des Kindes werden deshalb auch die sprachlichen Fähigkeiten überprüft. Dabei hat jede Kinderarztpraxis ihr eigenes Verfahren zur Feststellung der notwendigen Kenntnisse. Manche verwenden dabei einen Fragebogen, der sehr umfangreich und detailliert sowohl das Sprachverständnis, als auch die Produktion der sprachlichen Fähigkeiten des Kindes erhebt. Da es aber keine einheitliche Richtlinie zur Überprüfung gibt, werden viele Auffälligkeiten in diesem Alter nicht eindeutig ersichtlich und es wird häufig die Strategie des „Abwartens“ gewählt. In so einer Situation wird die elterliche Sorge meist kurzzeitig etwas gemindert, jedoch wächst sie wieder, wenn sich in den darauffolgenden Wochen und Monaten keine Verbesserung einstellt.

Das wiederum ist ein eindeutiges Zeichen, dass die Intuition der Eltern von Anfang an richtig war und die Sprachentwicklung des Kindes einen Anstoß braucht, um in Gang zu kommen. Eine Früherkennung von sprachlichen Auffälligkeiten kann in Verbindung mit den richtigen Maßnahmen in vielen Fällen rasch zu einer Verbesserung der sprachlichen Fähigkeiten und zum Aufschließen zu Gleichaltrigen führen. Eine frühe Intervention wirkt sich positiv auf den Entwicklungsstand aus und kann sprachliche Probleme bis zum Kindergarten- und Schulalter signifikant verbessern.
Logopäden / Logopädinnen stehen den Eltern in solchen Situationen mit Rat und Tat zur Seite. Sie sind die Anlaufstelle, wenn es um die Diagnostik, Beratung und Therapie der sprachlichen Fähigkeiten geht. Bereits bei 2-jährigen Kindern können sie einen aktuellen Sprachstatus erheben und je nach Bedarf mit entsprechenden Maßnahmen zur positiven Entwicklung der Fertigkeiten beitragen. Im Falle einer geringfügigen Verzögerung kann eine Beratung und Schulung der elterlichen sprachförderlichen Verhaltensweisen ausreichen, um das Kind in seiner Sprachentwicklung entsprechend zu fördern (z.B.: durch vermehrtes Vorlesen oder gezieltes Sprachangebot im gemeinsamen Spiel etc.).
Je nach Auffälligkeiten wird in einigen Fällen eine logopädische Therapie empfohlen, um den gewünschten Fortschritt in der Sprachentwicklung zu erreichen. Dabei wird der Logopäde / die Logopädin eine individuelle Diagnostik durchführen und dementsprechende Therapieziele ableiten. Die Dauer und Häufigkeit der Therapie richtet sich nach den Ergebnissen der Überprüfung und wird mit einer Überweisung eines Arztes auch von den Sozialversicherungsträgern (Krankenkassen) finanziert. Auf der Homepage des Verbandes für LogopädInnen OÖ (www.logopaedie-ooe.at) kann eine bezirksspezifische Suche durchgeführt und Kontakt zu Therapeuten / Therapeutinnen aus der Umgebung aufgenommen werden.
Scheuen Sie sich nicht, sich bei einem Logopäden / einer Logopädin zu melden und hören Sie auf Ihre Intuition. Vergessen Sie nicht: Sie kennen Ihr Kind am besten! Sie sind die Experten!
Fotocredit & Textrechte: Verband der LogopädInnen für OÖ
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