Lernblockaden und Prüfungsangst

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Sabine ist elf Jahre alt und besucht eine Hauptschule. Obwohl sie jeden Tag lernt, bekommt sie immer öfter schlechte Noten. Seit einigen Wochen ist Sabine zunehmend aggressiv, wenn es um das Thema Schule geht; die Motivation zum Lernen fehlt ihr auch schon. „Ich weiß keinen Rat mehr“, klagt ihre Mutter. „Sabine lernt doch genug. Was soll sie denn noch tun?“

Es ist ein Problem, das Schüler aller Altersklassen und Schularten kennen: Sie lernen und haben trotzdem nur mäßigen oder keinen Erfolg. Viele Eltern sind ratlos und wissen nicht, wie sie ihrem Kind helfen können. Auch die Lehrer sind oft hilflos: Große Klassen machen es unmöglich, bei jedem Schüler die individuellen Ursachen für den fehlenden Schulerfolg herauszufinden. FRATZ & CO zeigt Ihnen, wie Sie Ihr Kind bei Lernproblemen optimal unterstützen können …

Prüfungsangst – oft nicht erkannt

„Angst macht dumm“ … Dieser Ausspruch stimmt! In einem entspannten (oder vielmehr „positiv“ angespannten) Gehirn fließen die Gehirnströme ungehindert. Informationen werden transportiert und lassen sich auch abrufen. Bei Angst jedoch wird der ungehinderte Fluss der Gehirnströme unterbrochen – das so genannte Black-out entsteht. Es kann so nachhaltig wirken, dass der Schüler in dieser Situation nicht einmal seinen Namen zu nennen vermag – obwohl das ja eine Information ist, die man jederzeit, auch im Halbschlaf, abrufen kann.

Prüfungsangst äußert sich auf unterschiedliche Weise. Manchen Kindern merkt man die Angst an: Sie reagieren mit Magenschmerzen, Unruhe, der Puls ist schnell. Bei anderen sieht man die Angst nicht: Sie werden starr und ruhig, ziehen sich in sich zurück. Sie verhärten innerlich – das Denken ist blockiert. Das Fatale: Diese Kinder würden nie sagen, dass sie an Prüfungsangst leiden, denn sie spüren die Angst nicht. Wenn also Ihr Kind gut vorbereitet in eine Arbeit geht und trotzdem eine schlechte Note bekommt, lohnt es sich, einmal ganz genau hinzuschauen, ob nicht Prüfungsangst der Auslöser ist.

Lernblockaden – die unbekannten Notenkiller

Während Prüfungsangst erst in der konkreten Situation von Schularbeit und Test eintritt, machen sich Lernblockaden schon davor bemerkbar. Das bedeutet konkret: Das Kind lernt, kann aber die Informationen nicht richtig verarbeiten, also auch später nicht abrufen – schlechte Noten sind die Folge. Lernblockaden haben viele Ursachen. Das Problematische daran: Ursachen und Auswirkungen vermischen sich und bilden irgendwann einen Teufelskreis.

Beispiel: Der Schüler kommt mit einem bestimmten Lehrer nicht klar, das versetzt ihn in Stress. Stress führt dazu, dass er in der Arbeit versagt. Das führt wieder zu neuem Stress.

Beeinträchtigung fürs Leben

Manche Kinder mit Prüfungsangst und Lernblockaden schaffen es gerade so durch die Schule. Alleine das ist schon schlimm, sollte doch jedes Kind die Chance auf den besten Schulabschluss bekommen, der möglich ist. Viele Kinder bleiben aber unter ihren Möglichkeiten. Das wesentliche Problem besteht darin, dass die meisten von ihnen wahrscheinlich auch noch als Erwachsene unter diesen Schwierigkeiten leiden werden.

Und das hat Folgen:

  • Sie vermeiden Testsituationen wie zum Beispiel die Führerscheinprüfung oder Prüfungen, die sie im Beruf weiterbringen.
  • Dadurch wird das Selbstbewusstsein angegriffen – worunter das Privatleben ebenso wie das Berufsleben leiden.
  • Irgendwann vermeiden diese Menschen dann sogar das Lernen an sich. Da wir aber in einer Gesellschaft leben, in der lebenslanges Lernen ein Muss darstellt, haben Menschen mit Lernproblemen einen schweren Stand.
  • Auch im Privatleben machen sich die Auswirkungen bemerkbar: Die Betroffenen sind weniger zufrieden mit sich und ihrer Lebenssituation als Menschen, die gerne lernen und sich Prüfungssituationen erfolgreich stellen können. Das Leben wird zunehmend als schwierig empfunden, denn überall gibt es Neues zu lernen – sei es nur die neue Software, die man im Beruf braucht …

Nicht nur für den Schulerfolg ist es also wichtig, Lernprobleme und Prüfungsangst aufzulösen – sondern auch für ein erfolgreiches, zufrieden stellendes Leben!

So helfen Sie Ihrem Kind

Akzeptieren Sie das Problem
Der erste Schritt sollte die Anerkennung des Problems sein. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie Verständnis haben, gleichgültig, woran es auch liegen mag, dass es Probleme mit Schularbeiten hat. Versuchen Sie die Ängste Ihres Kindes anzunehmen und zu akzeptieren: Das ist der erste Schritt, das Problem zu lösen. Bedenken Sie: Ihr Kind hat keine Schuld an dieser Situation!

Auch Ihr Kind sollte seine Angst annehmen
Helfen Sie auch Ihrem Kind, seine Prüfungsangst bzw. seine Lernblockaden zu akzeptieren. Nicht wenige Kinder schämen sich zuzugeben, dass Sie an Black-outs leiden, nicht zügig arbeiten können etc. Machen Sie Ihrem Kind klar, dass es nicht „krank“ und auch nicht allein ist.

Du schaffst es!
Das größte Problem beim Thema Prüfungsangst ist die Tatsache, dass das Kind sich seiner Angst ausgeliefert fühlt und vermeint, eigentlich nichts ändern zu können. Die Angst, das Versagen haben das Kind fest im Griff und lähmen damit auch den Glauben daran, etwas zum eigenen Erfolg und zum Wohlbefinden beitragen zu können. Bestärken Sie Ihr Kind immer wieder darin, dass es sehr wohl etwas tun kann.

Sprechen Sie nicht mehr von den Problemen
Wenn das Problem erkannt ist, sollten Sie Prüfungsangst oder Lernprobleme auch schnell wieder vergessen. Stellen Sie sich vor: Immer, wenn Sie darüber sprechen, wie Sie das Problem lösen können, erwähnen Sie das Wort „Prüfungsangst“ oder „Lernproblem“. Ihr Kind wird also stets aufs Neue an die angstauslösende Situation erinnert und produziert Stresshormone. Das wirkt sich negativ aus:

  • Ein produktives Gespräch ist nur schwer möglich, weil Ihr Kind Angstgefühle entwickelt.
  • Wenn Ihr Kind ständig daran erinnert wird, kann es das Problem nicht loslassen.

Das alles heißt nicht, dass Sie die Angst Ihres Kindes totschweigen sollen, ganz im Gegenteil.

Aber: Geben Sie der Sache einen anderen Namen. Was nützt es, permanent darauf herumzureiten, wie schrecklich die Situation ist? Nichts! Deshalb …

Formulieren Sie ein positives Ziel
Was ist für Ihr Kind optimal? Es sollte in der Lage sein, in Zukunft vor und bei Schularbeiten entspannt und ruhig zu sein. Sprechen Sie also mit Ihrem Kind darüber, welches positive Ziel Sie gemeinsam erreichen wollen. Gleichgültig, wie alt Ihr Kind ist: Es wird Ihre Unterstützung bei diesem Ziel auf alle Fälle brauchen. Achten Sie bei der Formulierung des Ziels und in Gesprächen darauf, dass Sie negativ besetzte Wörter vermeiden. Versuchen Sie es gleich einmal: Statt „Das Ziel ist, dass du keine Angst vor Schularbeiten mehr hast“ sagen Sie: „Du kannst es schaffen, bei Schularbeiten ganz entspannt zu sein.“ Statt „Du sollst nicht immer aufschieben“ sagen Sie: „Wir arbeiten jetzt daran, dass du deine Aufgaben schneller erledigen kannst.“

Ein ganz wichtiger Tipp
Oftmals reicht es, ganz einfache Methoden einzusetzen, um Ihrem Kind zu helfen. Legen Sie ihm am Morgen der Schularbeit, bevor es aus dem Haus geht, die Hand auf die Schulter und sagen Sie einfach „Du kannst es“ oder „Du weißt es“. Alleine diese kleine Maßnahme kann in Ihrem Kind Großes bewirken. So ein Zuspruch, so viel Vertrauen wirkt unglaublich bestärkend – probieren Sie es aus!
Sprechen Sie mit den Lehrern
Sprechen Sie die Lehrer Ihres Kind ganz gezielt auf Prüfungsangst und Lernblockaden an. Der Lehrer kann nicht wissen, ob Ihr Kind sich überhaupt bemüht – so stellen Sie klar, dass es lernt und sich Mühe gibt. Fragen Sie nach Hilfen, die Ihr Kind nutzen könnte.
Lernblockaden und Prüfungsangst lösen

Mit dem kostenlosen Selbsttest auf www.fratz.at haben Sie schon einmal einen Anhaltspunkt, woran es liegen könnte, dass Ihr Kind in der Schule nicht den besten Erfolg erzielt. Das Problem können Eltern sicherlich nicht alleine lösen. Es ist also ratsam, sich Unterstützung durch Experten zu suchen. Das kann ein Schulpsychologe sein oder auch ein Nachhilfelehrer, der Erfahrung auf diesem Gebiet hat. Psychologen oder Lerntherapeuten können ebenfalls helfen.

Wichtige Dinge für Ihr Kind

Das Selbstbewusstsein stärken
Loben Sie Ihr Kind, wann immer es etwas besonders gut gemacht hat, insbesondere dann, wenn es sich bei einer Sache gesteigert hat.

Techniken gegen Prüfungsangst erlernen
Hierbei helfen bestimmte Mentaltechniken; Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung und Qi-Gong sind ebenfalls eine gute Möglichkeit für Ihr Kind, Anspannung abzubauen. Und auch Bewegung ist wichtig. Einmal am Tag sollte sich Ihr Kind richtig auspowern: laufen, Trampolin springen, Seil hüpfen … Möglichkeiten gibt es viele.

Lerntechniken erarbeiten, damit die Informationsverarbeitung besser klappt
Ihr Kind braucht Anleitung, wie es Texte richtig bearbeitet, wie es bei Textaufgaben vorgeht, wie es Lernstoff besser behält. Mind-Mapping, Lernkarteikasten, Gedächtnistraining sind nur einige Beispiel für Lerntechniken, die Ihrem Kind helfen, den Stoff besser zu bewältigen.

Schularbeit vorbereiten und bewältigen
Das lernt Ihr Kind in der Schule nicht und darin liegt ein ganz großes Problem. Bei kleineren Kindern sollten Sie am Anfang gemeinsam eine Übersicht erstellen, was Ihr Kind genau können muss, damit es auch den wichtigen Stoff lernt. Für die Schularbeit ist es wesentlich, dass Ihr Kind Strategien kennt, wie es mit Schwierigkeiten umgehen kann: Viele Schüler erleiden kurzzeitig ein Black-out und wissen gar nichts mehr. Wer in dieser Situation panisch wird, der kann die ganze Schularbeit nicht schaffen. Besser ist es tief durchzuatmen, eine kleine Auszeit von wenigen Minuten zu nehmen und Entspannungstechniken anzuwenden: Dann kann Ihr Kind gleich wieder entspannt weitermachen.

Konsequentes Arbeiten
Stellen Sie mit Ihrem Kind einen Lernplan auf und achten Sie, dass er eingehalten wird. Wichtig ist, dass der Schüler den Lernstoff in kleine Häppchen unterteilt und regelmäßig lernt, nicht geballt vor der Schularbeit. Das alles ist nicht schwer umzusetzen. So aber sagen Sie und Ihr Kind Lernproblemen erfolgreich den Kampf an!

Angelika Stein

Foto: Angela Waye – shutterstock.com

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