Online Kids – aber sicher!

Wie werden Kinder heutzutage erwachsen? Auf diese an sich schwierige Frage haben Pädagogen eine einfache Antwort parat: durch viel Einfluss von außen. Wenn der zehnjährige Lorenzo nach der Schule heimkommt, fliegt der Schulrucksack in die Ecke, ein „Hi“ wird in den Raum geraunt und der PC angeworfen. Ohne Geräuschkulisse geht schon mal gar nichts, und vor allem nicht die Freizeitgestaltung. Die Chatplattform „schülerVZ“ wartet, Ratsch und Tratsch wollen ausgetauscht werden: Welcher Lehrer „stinkt“, welche Mitschülerin „ur-peinlich“ und welcher Clip auf „youtube“ absolut „geil“ ist.

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Text: Gilbert Brandl

Die Sache hat nur einen Haken: Lorenzo muss sich beeilen, all die wichtigen Informationen auf die Reihe zu bekommen, denn seine Surf- und PC-Zeit ist beschränkt – auf eine halbe Stunde täglich. Wenn er dann im Internet auch noch das eine oder andere für die Schule zu recherchieren hat, will die Zeit wohl eingeteilt sein. Manchmal „nervt“ Lorenzo diese Zeiteinschränkung, doch eigentlich ist es auch wieder „voll OK“, denn so verbringt er nicht die ganze Zeit in seinem Zimmer. Meint er.
Ein extremer Haushalt? Ein unterdrücktes Kind? Nein! Eher der ganz normale Ablauf in einer modernen Familie. Und das hat seinen guten Grund: Sex und Gewalt sind im Internet frei zugänglich. Und verbotene Früchte eben besonders reizvoll. Das Schlimme: Einen tatsächlich funktionierenden Jugendschutz gibt es nicht.

Wie surft Ihr Kind?

Es ist kein Geheimnis, dass im Internet nicht nur nützliche Informationen gefunden werden, sondern auch Unerlaubtes verbreitet wird. Jugendschutz mit Altersabfrage ist da eher die Seltenheit. Während im Straßenverkehr immerhin die Polizei Ihrem Nachwuchs Sicherheit bietet, müssen Sie ihn vor gefährdenden Inhalten im Internet schon selbst schützen.
Was aber gegen die Gefahren unternehmen? Den Computer komplett verbieten? Das wäre sicher falsch: Kinder sollen, nein sie müssen sogar im Anschluss an das World Wide Web gefördert werden – aber alles mit Maß, Ziel und Regeln. Und hier beginnt die Sorgfaltspflicht der Eltern. Es empfiehlt sich, Programme zwischenzuschalten, die einerseits die Gefahren schon im Ansatz filtern und außerdem nur bestimmte Bereiche für die Jung-PC-Nutzer freigeben. Manche dieser Programme protokollieren sogar ihr Surfverhalten. So lassen Sie ständig alle Internet-Klicks Ihrer Kleinen nachvollziehen, fast jede unbeaufsichtigte Aktion am PC mit wenigen Handgriffen überprüfen. Surft Ihr Kind tatsächlich auf verbotenen Seiten, dann können Sie entsprechende Maßnahmen ergreifen.

So schützen Eltern ihre Kinder

Anti-Viren-Programme bieten oft in den Einstellungen Kinderschutzfilter an. So werden Suchworte wie „Sex“, „Porno“, „Brutalität“ etc. und deren Synonyme gefiltert. Außerdem lassen sich Seiten mit jugendgefährdenden Inhalten gar nicht erst laden.
Der Nachteile dieser Filter: Sie bieten manchmal zu wenig Feintuningmaßnahmen. So kann durchaus passieren, dass die Nachrichtenseite eines seriösen Anbieters nicht geladen wird, nur weil der Satz „Polizisten gegen Gewalt in der Schule“ ein verfängliches Wort enthält.
Zusätzlich zu installierende spezielle Programme bieten da schon mehr Möglichkeiten, bestimmte Begriffe zu filtern. Ein guter Jugendschutz-Filter wie jener von „Safe Kid“ vermag einige elterliche Sorgenfalten zu glätten. Einer der Vorreiter in Sachen Kinderschutz ist auch der Anbieter UPC, der sich gemeinsam mit www.saferinternet.org im Rahmen der Aktion „ins@fe“ dafür engagiert, den heimischen Internetzugang abzusichern.

Zeitkontrolle

Eigentlich sollte auf jedem PC der Warnaufkleber „Kinder vom heimischen Rechner fernzuhalten kann regelmäßig für Streit sorgen“ prangen. Software, die auf die Einhaltung der zuvor vereinbarten Regeln pocht, dürfte das Konfliktpotenzial allerdings verringern. Wichtige Voraussetzung für ein gutes Zeitprogramm ist, dass es sich möglichst flexibel einstellen lässt – je nachdem, ob Sie eine Begrenzung pro Sitzung, pro Tag, Woche oder Monat wünschen. Zudem sollten die Eltern notfalls einen Zeitnachschlag gewähren können, falls die Nutzung wegen der Hausaufgaben das Limit überschreitet.
Apropos Limit: Wo ist dieses anzusetzen? Medienpädagogen empfehlen als Faustregel maximal 30 Minuten täglichen Surfens für Kinder im Grundschulalter, 60 Minuten im Alter von 10 bis 13 Jahren und 90 Minuten für ältere Jugendliche. Eigentlich verhält es sich mit dem PC ja wie mit dem Fernseher: Je jünger das Kind, desto weniger Zeit sollte es davor verbringen. Hier beginnt die Sorgfaltspflicht bzw. die Aufsichtspflicht der Eltern zu greifen.

World Wide Schutz

Sicher: Kinder sind gewieft. Wer jedoch immer gleich das Schlimmste hinter hohem PC-Gebrauch vermutet, irrt. Die Zeit verfliegt eben einfach nur so, und in der Regel suchen Kids nicht nach Gewalt und Sex. Aber: Wehret den Anfängen … und daher sind Kinderschutzprogramme ein absolutes „Must-have“.
Für die Betriebssysteme XP und Vista bietet Microsoft einen kostenlosen Grundschutz an: Mit dem Programm SteadyState wird Ihr Kind nach einer bestimmten Zeit automatisch ausgeloggt. Eine flexible Gestaltung ist allerdings nicht möglich. Bitdefender – ein Gratis-Anti-Viren-Programm – gewährleistet einen Grundschutz und eignet sich für Ab- und Zu-Surfer.
Und dann gibt es noch eine Reihe zweckdienlicher Programme käuflich zu erwerben. Sie kosten zwischen 22 und 65 Euro – ein Betrag, der Eltern die Sicherheit ihrer Kinder schon wert sein sollte. Durchaus positiv zu beurteilen hinsichtlich der Bereiche Funktionsumfang, Bedienung, Manipulationssicherheit und Zeitkonfiguration sind folgende Programme: 
• KidsWatch 5.0
• Kindersicherung 2008
• WatchDog
• WinTimer 3.0

Inhaltliche Kontrolle

Zusammen mit den Zeitwächtern lässt sich auch der Internetzugang filtern, wenngleich nur in sehr begrenztem Maß. Um einen stärkeren Einfluss zu haben, auf welchen Seiten sich Ihr Kind tummelt, sollten Sie spezielle Filterprogramme installieren, kostenpflichtige oder kostenlose. Erfreulich: Eine Prüfung der Bereiche Bedienung, Funktionsumfang und Filterwirkung hat ergeben, dass die Gratis-Filter kaum schlechter sind als jene, die etwas kosten.
Je nachdem, wie alt Ihr Kind ist, sollten Sie schließlich auch unterschiedlich filtern. Bei Jüngeren empfiehlt sich eine „Whitelist“: Das heißt, dass nur ausdrücklich freigegebene Seiten aufgerufen werden können. Bei Jugendlichen sollten Sie aber auf eine „Blacklist“ setzen, die mittels Filter gewisse Seiten sperrt.
 
Für Lorenzo ist die zeitliche und inhaltliche Reglementierung indes kein Problem mehr … auch wenn hin und wieder die Verlockung groß ist, am Schulhof Aufgeschnapptes zu „recherchieren“. Nachdem allerdings unlängst all seine Handyfotos nicht mehr abrufbar waren, weil ein heimtückischer Virus den PC lahmgelegt hat, ist er sehr vorsichtig geworden. Er vertraut nun auf den PC-Schutz, den seine Mutter installiert hat. Auch wenn es ihn doch hin und wieder „nervt“ …

Foto: karelnoppe – shutterstock.com

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