Schultafel vs Laptop

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Noch vor wenigen Jahren war nicht ansatzweise denkbar, welch großen Einfluss Digitale Medien auf unser Leben haben würden. Und auch im Schulalltag spielen Laptops, Smartphones & Co. eine immer größere Rolle.

Text: Isabel Müller

 

Während sie auf den Bus wartet, schlägt Sophie den Laptop auf. Gespannt checkt sie ihre Nachrichten und sieht sofort, dass sie ein neues Mail von ihrem Deutschlehrer mit Feedback zu ihrem Aufsatz hat. „Prima!“, denkt sie, „ich muss ohnehin 15 Minuten warten, da geht sich locker noch ein bisschen Internetrecherche aus.“ Was bei uns noch in den Kinderschuhen steckt, ist in Japan schon ganz alltäglich. Dort wurden neben Laptops inzwischen auch Playstation, Xbox und Wii-Konsolen als Unterrichtsmaterialien eingeführt, mit denen Schüler knifflige mathematische Aufgaben lösen oder Englischvokabel lernen. An der privaten Otemon Gakuin Schule in Osaka beispielsweise wurde mit Spielkonsolen experimentiert und das mit großem Erfolg, wenn man den Worten von Lehrer Toyokazu Takeuchi Glauben schenken darf, der nach einem Pilotprojekt mit Viertklässlern im Alter von neun und zehn Jahren vom „E-Learning made in Japan“ schwärmte: „Wir kombinieren die traditionelle Lehre des Lesens, Schreibens und Rechnens mit der Kraft der Informationstechnik und der Spielcomputer.“ Nach Abschluss des Pilotprojektes will er demnächst auch Zweitklässler während des Unterrichts mit Playstations arbeiten lassen, vor allem auch, weil Konsolen über einen weiteren nennenswerten Vorteil verfügen: Sie sind mit etwa 17.000 Yen (ca. 105 €) deutlich günstiger als Computer.
(Quelle: http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/)

Zurück nach Österreich: Auch bei uns werden trotz teilweise vorherrschender Skepsis zunehmend Note- und Netbooks, Smartphones sowie fächerspezifische Anwendungssoftware und diverse Text- und Bildbearbeitungsprogramme in den Unterricht integriert. Hier ist sowohl bei Schülern und Lehrern aber ebenso bei Eltern Mut zur Weiterentwicklung neuer Formen des Lehrens und Lernens gefragt. Denn neue Technologien im Unterricht bedeuten auch, dass man didaktische und methodische Modelle überdenken muss. Konrad Zimmermann, Geschäftsführer der LernQuadrat OG und der Bildungsmanagement GmbH in Pfaffstätten/Wien (www.lernquadrat.at) zur Frage, ob neben einer neuen Lern- auch eine neue Lehrkultur nötig ist: „Lehren kommt in der Schule vor Lernen und daher haben digitale Medien und Geräte nur

Sinn, wenn die Lehrer selbst die entsprechende professionelle Schulung und Zeit dafür bekommen. Leider müssen Lehrer in unglaublich vielen Nachtsitzungen immer nach wie vor fast alles, was sie unterrichten, selbst und alleine ausarbeiten oder teuer selbst kaufen, statt es vom Dienstgeber so wie in jeder Firma zur Verfügung gestellt zu bekommen. Aber ich kenne eine Reihe von exzellenten Lehrern, die das auf sich nehmen und daher bei Schülern unglaublich beliebt sind. LernQuadrat hat daher in den letzten Jahren mit dem „schul.plus award“ diese guten Lehrer prämiert und vor den Vorhang gebeten. In der entsprechenden Broschüre sind jede Menge Lehrerleistungen dargestellt, die sich auf Digitales Lernen beziehen.“

 

Was aber ändert sich mit Digitalen Medien tatsächlich für Lehrer? Vor allem tritt das Lehrpersonal nicht mehr als reiner Wissensvermittler auf, sondern wird mehr und mehr zu einer Art Lernbegleiter. Ziel wäre, einen sinnvollen Wechsel zwischen offenen und gebundenen Unterrichtsformen herbeizuführen, was Organisation und Engagement und eine hervorragend aufbereitete Lernumgebung mit klar strukturierten Angeboten voraussetzt. Konrad Zimmermann dazu: „Die treibende Kraft beim Lernen wird immer der menschliche Lehrer sein. Ich sehe für die Zukunft einen Mix aus Unterricht in der Klasse und verstärkten, individuellen Lernphasen mit Digitalem Lernen. Ganz egal, ob in der Schule, zu Hause oder wo auch immer – gesteuert wird der Unterricht stets vom Lehrer. Lernen und Lehren wird so spannender denn je!“

 

Und was ändert sich für die Schüler? Nun, diesen müssen Strategien vermittelt werden, mit denen sie das eigene Lernen optimal steuern und kontrollieren können. Natürlich sind hier jene Kinder im Vorteil, bei denen bereits in der Kindheit und bei der Erziehung Wert auf folgende Kompetenzen gelegt wurde:

 

• Selbstständiges Ein- und Aufteilen von Aufgaben

• Gegenseitiges Erklären von Lösungsstrategien

• Gegenseitig Rückmeldung und Hilfestellung geben

• Stärkung des Selbstbewusstseins und der Selbstverantwortung

 

Der Fokus liegt ohne Zweifel immer mehr auf Logik bzw. dem Herstellen von Zusammenhängen und das kann mit digitalen Medien tatsächlich bereits ab dem Kleinkindalter gefördert und trainiert werden, auch wenn es bei PC-Spielen für Kinder natürlich meist vorrangig darum geht, Spaß zu haben.

 

Für jene Generation, die mit digitalen Technologien wie Computern, Web, Handys etc. aufwächst, gibt es seit geraumer Zeit den Begriff „Digital Natives“. Die Autoren John Palfrey und Urs Gasser legen in ihrem 2008 erschienenen Buch „Born Digital“ das Geburtsjahr 1980 als jenes fest, ab dem Kinder als „Digital Natives“ gelten. Geprägt wurde der Begriff allerdings von dem ausgebildeten Pädagogen und Manager Marc Prensky: Er fasst 2001 alle Kinder bzw. Schüler vom Kindergarten bis zum College so zusammen. Als erste Generation, die mit den neuen Technologien aufgewachsen ist, weisen die Kids eine andere Art des Denkens, andere Denkmuster und eine andere Informationsverarbeitung auf. Laut Prensky sind Digital Natives gewohnt, Informationen sehr schnell zu empfangen, Multitasking ist für sie kein Problem.
Auf Informationen greifen sie direkt zu, dabei sind ihnen Grafiken wichtiger als Text. Ihr Credo: Allezeit vernetzt.

 

Fakt ist, dass digitale Medien – ob gewollt oder ungewollt – definitiv fester Bestandteil unseres Lebens sind und auch bei/in der Schulbildung nicht mehr ignoriert werden können. Dass es beim Lernen von und mit digitalen Medien um viel mehr geht, als die Schüler einfach nur vor einen PC zu setzen, sie orientierungslos im Internet surfen zu lassen oder auch um das berühmt berüchtigte „Copy- und Paste-Verfahren“ bei Hausübungen oder Referaten, dürfte klar sein.

 

Es liegt also daran, den richtigen Umgang mit digitalen Medien zu erlernen und zu vermitteln. Nur dann ist es möglich, die Vorteile und Potentiale kennenzulernen. Sophie hat in jedem Fall vorausdenkend gearbeitet, denn durch die Internetrecherche an der Bushaltestelle spart sie sich daheim Arbeit und hat mehr Freizeit. Und wer weiß, vielleicht würden Schüler, die im Unterricht mit digitalen Medien arbeiten, auch ihren Eltern wieder mehr aus Ihrem (Schul-) Alltag erzählen – denn das wären Dinge, die sie ganz bestimmt besser wüssten!

 

Fotos: Morgan Lane Photography by Shutterstock.com

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