„Wir machen genau das Gegenteil, von dem was die ‚großen Jungs‘ tun“

Mut muss man haben, und – wie man im Österreichischen so schön sagt – wohl auch ein wenig Chuzpe. Die beiden Gründer von Naïf Natural Skincare haben vor neun Jahren den Sprung vom gutbezahlten Job in die Selbstständigkeit gewagt und bis heute nicht bereut.  Ein Interview mit zwei „naiven Jungs“, über ihre Freundschaft, ihre Motivation, ihre Leidenschaft, ihren Erfolg und darüber wie sie sich in der Körperpflege-Industrie durchsetzen konnten.

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Herr Hes, Herr Trompetter sie haben 2013 Naïf gegründet. Haben Sie sich schon vor der Unternehmensgründung gekannt bzw. wie haben Sie sich kennengelernt?
Jochem Hes: Ja, wir kennen uns von der Uni. Wir haben in Groningen im gleichen Studentenheim gelebt, ein Ort, an dem man sich wirklich gut kennenlernt. Nach der Uni haben sich unsere Wege getrennt. Sjoerd hat bei ExxonMobil zu arbeiten begonnen und ich bei Unilever. Wir sind aber in Kontakt geblieben. Übrigens: Auch unsere Frauen sind seit der Schulzeit beste Freundinnen.

Wie kam es zur Gründung von Naïf, was war der ausschlaggebende Grund?
Wir wurden beide Väter und deshalb automatisch in die Welt der Säuglingspflege hineingezogen.
Wir haben vor allem zwei Dinge vermisst: Qualität und eine attraktive Marke. Das war und ist die Basis unseres Unternehmens bzw. der Marke Naïf. Last but not least hatten wir beide den Traum, uns selbstständig zu machen.

Sie beide hatten zu diesem Zeitpunkt einen – so nehme ich an – gut bezahlten Job, den sie dann verlassen haben um Naïf zu gründen – ein mutiger Schritt. Hatten Sie manchmal auch Zweifel, dass es schief gehen könnte?
Nein, nicht wirklich. Das Schlimmste was uns passieren hätte können, wäre wieder bei einem großen Konzern zu arbeiten. Im Ernst: Man muss wohl ein bisschen naiv sein, um seinen Träumen nachzujagen bzw. sie zu verwirklichen. Sonst macht man es nie.

 

Warum macht ihr das?

Wie haben ihr Umfeld, ihre Familien reagiert, als sie ihnen erklärt haben, dass sie sich selbstständig machen wollen. Gab es Bedenken, Unterstützung, …?
Natürlich gab es Bedenken. Vor allem bei unseren Müttern: „Warum macht ihr das, ihr habt doch einen Superjob, oder?“ Aber am Ende wurden wir durch unser Umfeld immer unterstützt. Es ist ein großer Schritt und natürlich gibt es Risken und Bedenken.

Wie gestaltete sich die Anfangszeit in ihrem Unternehmen, was war ihr Erfolgsrezept, was ist anders gelaufen als sie es sich gedacht haben?
Es klingt ein wenig kitschig oder auch abgedroschen, aber wir sind davon überzeugt, dass unser Erfolgsrezept Sjoerd und Jochem heißt. Wir sind beide so unterschiedlich, sowohl was unseren Background und unseren Charakter betrifft. Sjoerd kann Dinge umsetzen, die Jochem überhaupt nicht liegen und umgekehrt. Das birgt eine Menge Energie und Kraft, die man braucht, wenn man seine eigene Marke bzw. sein eigenes Unternehmen aufbauen will.

Sie sind mit ihrem Unternehmen in einem Markt tätig, der von einigen großen Konzernen beherrscht wird. Wie gelang es ihnen sich in diesem heiß umkämpften Markt zu etablieren?
Glaub an dich selbst, hör den Menschen bzw. deinen Kunden zu und geh deinen Weg. Wenn wir uns zu sehr auf die großen Konzerne konzentriert hätten, hätten wir Naïf niemals gegründet.

 

Nachhaltigkeit ist für uns kein Mode-Trend

Was machen Sie anders als die großen Riesen?
Alles und das in allen Bereichen. Wir sehen Nachhaltigkeit nicht als einen Mode-Trend, sondern als Notwendigkeit, als die „neue Realität“. Bei allem, was wir tun, ist nachhaltiges Handeln ein Muss und deshalb suchen wir immer nach der bestmöglichen Lösung. Unser Ziel, bei allem, was wir tun: Körperpflege muss im wahrsten Sinn des Wortes „GUT“ sein, ohne die Sorgen darüber, ob sie auch gut für die Umwelt, unsere Mitmenschen, usw. ist. Es ist eigentlich genau das Gegenteil von dem, was die „großen Jungs“ machen.

Sie verwenden in ihrem Unternehmen nur natürliche Inhaltsstoffe und – soweit wie möglich – Verpackungen aus Bio-Kunststoff (z.B. Zuckerrohr). Wie wichtig ist das Thema Nachhaltigkeit für Sie persönlich und wie setzen Sie dies im Unternehmensalltag um?
Es ist für uns das Um- und Auf. Nicht nur für die Marke oder das Unternehmen, sondern für unser gesamtes Team. Als zertifiziertes B Corp Unternehmen geben wir uns unseren Kunden und allen, die für und mit der Firma zu tun haben sowie unserem Planeten ein Versprechen: Wir machen Geschäft, indem wir Gutes tun.

Sie und ihr Team engagieren sich auch in sozialen Belangen. So haben Sie vor Weihnachten eine Fundraising-Aktion für die niederländische „Stiftung Babysachen“ durchgeführt. Können Sie uns darüber ein wenig erzählen bzw. engagieren Sie sich auch für andere Sozialprojekte?
Ja. Wir organisieren immer wieder solche Events, die anderen helfen. Wir wollen für alle Eltern da sein, auch für jene, die es im Leben nicht so leicht haben. Dort, wo wir können, versuchen wir zu unterstützen. Wir unterstützen zum Beispiel alle Krankenhäuser in den Niederlanden. Außerdem sind wir stolz darauf, ein sogenannter „Beauty Angel“ der Plastic Soup Foundation zu sein, die die Welt der Schönheit und Kosmetikindustrie bzw. deren Auswirkungen auf unsere Welt transparenter machen will.

 

Die Welt durch die Augen der Kinder sehen

Herr Hes in ihrem LinkedIn Profil heißt es u.a.: „Naïf sieht die Erwachsenenwelt durch die Augen von Kindern und diese erfrischende Perspektive mit einer Prise Humor spricht Eltern und Kinder jeden Alters an.“ Muss man sich – um die Welt durch die Augen von Kindern zu sehen – selbst ein wenig von dem Kind, das in uns allen steckt, bewahrt haben?

Zu 100 Prozent. Es ist gut, naiv zu sein. Es muss möglich sein, sich ein Shampoo zu kaufen ohne sich darüber Gedanken zu machen, was da jetzt wieder an Plastik in der Umwelt landet oder welche chemischen Inhaltsstoffe man sich auf die Haut aufträgt. Das Wort „naiv“ hat oft einen negativen Beigeschmack. Wir sind aber der Überzeugung, dass der einfache und positive Zugang, mit dem Kinder auf unsere Welt blicken, etwas ist wofür es sich zu kämpfen lohnt.

Apropos Prise Humor – lachen Sie gerne und viel?
Haha, Lachen ist gesund. Deshalb ja, ich versuche so oft wie möglich zu lachen. Nicht nur im Büro, sondern auch zu Hause mit meiner Frau und meinen Kindern.

Herr Hes, wenn Sie fünf besondere Eigenschaften (Merkmale) Ihrer Person nennen müssten – welche wären das?
Energiegeladen, offen, gesprächsbereit – manche mögen es opportunistisch nennen, unternehmerisch und immer positiv denkend.

Herr Trompetter, mit welchen fünf besonderen Eigenschaften (Merkmale)würden Sie sich kennzeichnen?
Realistisch, analytisch denkend, auch energiegeladen und immer auf der Such nach Möglichkeiten

 

Können Sie uns zum Schluss noch ein paar persönliche Auskünfte über sich geben. Z.B.: Familienstand, Kinder, Alter, etc.
Sjoerd: 42 Jahre alt, verheiratet mit Wietske, 2 Jungs (Klaas + Jack) und einen Hund, liebt Sport (z. B. Kitesurfen und dreimal pro Woche Bootcamp mit Jochem)
Jochem: 42 Jahre alt, verheiratet mit Marjolein, 3 Jungs und 1 Mädchen (Tycho, Tobias, Wicher + Fiene), liebt Sport (Rennradfahren und dreimal pro Woche Bootcamp mit Sjoerd)

 

Bild oben: Jochem Hes (rechts) und Sjoerd Trompetter – beigestellt Naïf Natural Skincare

Bild rechte Randspalte: Pixabay – 192635