Kleinbusse – Passen (meistens) bestens

Werbung


Und plötzlich entdecken Sie die unschlagbaren Vorteile dieser ansonsten eher unspektakulären Fahrzeuggattung.


Viele Eltern begreifen sich heutzutage ja schon irgendwie als Manager, CEO oder zumindest Aufsichtsratspräsident einer kleinen Firma, die an sich zwar floriert und gedeiht, deren unterschiedliche Interessensfraktionen (klein und groß, männlich oder weiblich) das Experiment eines Zusammenlebens ohne finanzielle und emotionelle Abstürze aber dennoch manchmal an den Rand des Scheiterns bringen.


FRATZ & CO hat noch eine zusätzliche Herausforderung für viel geforderte Eltern parat: Werden Sie Busunternehmer! Immerhin hilft dieser Job unter anderem durchaus auch mit, Familien im wahrsten Sinn des Wortes zusammenzuführen. Kleinbusse machen außerdem beim Fahren längst genauso viel Spaß wie ein durchschnittlicher Kombi. In puncto Platz hängen sie die Kompaktwagen- oder Mittelklassekonkurrenz sowieso um Längen ab. Also packen Sie Ihre Sorgen und Lieben in die – manchmal doch eher unförmigen – Kisten. Und versuchen Sie sich in einem anderen, neuen Verkehrsalltag.


Um Ihnen hier ein wenig Entscheidungshilfe zu geben, haben wir uns einmal vorab in ein paar dieser Vehikel gesetzt. Erster Eindruck nach wenigen Kilometern und nach dem ersten überstandenen Einparkmanöver: Warum eigentlich nicht? Trotzdem kämpfen manche dieser Typen mit dem Vorurteil, nur umgebaute LKWs zu sein – mit belastbarem, aber unbequemem Fahrwerk, mit strapazfähiger Inneneinrichtung, aber kaum einem Hauch von Komfort oder gar Luxus.


Das Vorurteil stimmt nur noch manchmal. Damit Sie die richtige Wahl zwischen Lastesel und Reiseprofi finden, hat FRATZ & CO die aktuelle Klasse der Kleinbusse genauer unter die Lupe genommen. Erste Überraschung: Manche Modelle unterscheiden sich gar nicht so sehr voneinander. Die Erklärung: Einige Marken und Hersteller verkaufen die gleichen Vehikel oder den technischen Unterbau als Modelle mit unterschiedlichen Namen.



Paarlauf bei den Riesen: VW Crafter – oder Mercedes Sprinter


Als Nachfolger des Kleinbus- und Kleintransporters LT führt beispielsweise der Crafter die lange VW-Tradition in dieser Klasse weiter: Aber auch er hat einen Zwilling, der bei der Konkurrenz von Mercedes nicht nur gebaut, sondern auch verkauft wird und dort Sprinter heißt. Die Technik der beiden ist praktisch ident, sie rollen in drei Radständen, vier Laderaumlängen und drei Dachhöhen von den Fließbändern. Als Motorisierung gibt es in erster Linie einen Diesel, der in vier verschiedenen Leistungsversionen zwischen 88 und 163 PS angeboten wird. Abgesehen vom VWMarkenzeichen fällt der Crafter hauptsächlich durch die doch ein wenig eigenwillig gestaltete Front auf. Da haben die Wolfsburger Designer Anleihen bei einem eigenen Vehikel genommen, dem vorwiegend für den brasilianischen Markt konzipierten Klein-LKW Constellation.


Genauso exotisch wie diese Herkunft und Vielfalt erscheint dem gelernten PKW-Fahrer der Umstieg auf einen Kleinbus dieses Kalibers – auch wenn der Crafter/Sprinter als Neunsitzer nur ganz schlicht die Bezeichnung Kombi trägt. Was bei einer Länge von knappen sechs Metern (und das nur in der mittleren Radstand-Version!) schlicht als leichte Untertreibung gelten darf. Dazu kommen eine Breite von knapp zwei und eine Höhe von zweieinhalb Metern. All das schafft Respekt, umrundet man den Wagen das erste Mal, klettert auf den Fahrersitz hoch. Bei den Armaturen erwartet einen VW-Fan dann die zweite Überraschung: Alle Hebel und Zeiger stammen eindeutig aus der Mercedes- Welt. Und das Raumgefühl kennt man ansonsten nur aus Reisebussen – vier Sitzreihen, überall Platz für die Beine. Mitfahrer bis 1,75 Meter könnten sogar stehen, hätte der VW-Mercedes- Zwitter Handschlaufen wie im Linienverkehr. Dazu gibt’s seitlich eine Riesenschiebe-, hinten eine monströse Doppeltür. Um die Dimensionen ins rechte Licht zu rücken: Auch mit neun Passagieren besetzt, kann man im Kofferraum noch zwei Fahrräder mitnehmen.


Solch ein Riese macht sich natürlich auf der Fahrbahn breit, fordert Tribut beim Gasgeben. In der Version mit 136 PS rollt man locker mit jedem Verkehr mit, überholt allerdings nur eher widerwillig. Eine so genannte Shiftmatic (Halbautomatik) sorgt zwar für Bequemlichkeit, verleitet die Karosse aber beim Gangwechsel und bei forschem Tritt aufs Gaspedal zu eigenwilligen Bewegungen. Erstaunlich gering der Durst des Riesen: Mit durchschnittlich zehn Litern auf 100 Kilometer kommt man bei vernünftiger Fahrweise aus. Mehr will man aber sowieso nicht. Denn Busse dieser Dimension und Slalomparcours vertragen sich sowieso nicht optimal.



Einer für drei: Peugeot Expert Tepee, Fiat Scudo – oder Citroën Jumpy


Auch eine Klasse kleiner gibt’s eine europäische Gemeinschaftsproduktion. Franzosen und Italiener haben am Kleinbus- und Minivan-Sektor schon immer zusammengehalten. Die aktuelle Wiederbelebung dieser Allianz heißt bei Peugeot Expert (als Personentransporter Expert Tepee), bei Citroën Jumpy und bei Fiat Scudo. Unterm Strich ein praktischer Neunsitzer im kompakten Kleinbus- Format.


Egal, welche Marke oder welches Modell man wählt, stehen auch hier Typen mit langem oder kurzem Radstand, in normaler Höhe oder mit Hochdach, mit drei Dieselmotoren (90, 120, 136 PS) und insgesamt 14 Karosserievarianten zur Verfügung. Insofern ist auch der Italo-Franzose ein Alleskönner.


Aber reicht das in dieser Dimension noch für bequeme Familienreisen? Unbedingt. Vorne überzeugt tadelloser PKW-Komfort; die Armaturen sind übersichtlich und durchaus formschön, extrem viele Ablagefächer sorgen für Praxistauglichkeit. Und Platz gibt es sowieso ausreichend. Die Ausstattung: Seitenairbags und ESP gehören zu den Selbstverständlichkeiten, Lichtautomatik oder Parksensor demonstrieren fast schon Luxus. Um auch den hinteren Passagieren den Ausblick durch die Glasfenster leichter zu machen, sind die Sitze in so genannter Theater-Anordnung eingebaut. Das bedeutet, dass die Heckpassagiere praktisch über die Köpfe der Vorderen hinwegschauen – das freut Kinder. Außerdem möglich: Luftfederung für den ultimativen Reisekomfort. Für bequemes Einladen sorgt die niedrige Ladekante, die nur 50 cm hoch ist. Bei der Version mit langem Radstand passen bei voller Passagierbesetzung (also neun Personen) 770 Liter an Ladevolumen ins Gepäckabteil, bei der Kurzversion sind’s immerhin auch 327 Liter.


An was man sich hier als früherer PKW-Lenker gewöhnen muss: Das Fahrwerk ist extrem weich, komfort-orientiert ausgelegt. Damit schaukelt dieser Kleinbus seine Besatzung seidenweich über die schlechtesten Straßen. Vielleicht könnte die Lenkung ein wenig direkter sein, aber da wollen wir keine allzu strengen PKW-Maßstäbe anlegen. Mehr als ausreichend ist die Motorisierung mit 136 PS und bärigen 320 Nm an Drehmoment. Da machen sogar Überholvorgänge Spaß – im Größenvergleich zum Crafter/Sprinter genügen hier diese Kräfte. Ebenfalls auf der positiven Seite: Die Geräuschkulisse des Selbstzünders hält sich in Grenzen, der Verbrauch ist fast schon unter der Wahrnehmungsgrenze. In welcher Motorisierung auch immer: Mit einem Durchschnittsdurst zwischen 7,2 und 7,6 Litern Diesel pro 100 Kilometer sorgen der Expert Tepee oder Citroën Jumpy oder Fiat Scudo in dieser Kategorie für Bestwerte.


 


Vielfalt andersrum: Ford Transit Tourneo in allen Formen und Versionen


Den Transit teilt sich Ford zwar nicht mit anderen Konkurrenten. Dafür sorgt der Hersteller innerhalb der Marke für ungeheure Vielfalt, fast schon Verwirrung. Denn den Transit gibt’s (abgesehen von Kastenwagen- und Pritschenvarianten) in der Personen-Ausführung mittlerweile als Vario-Bus, Tourneo oder Luxus-Bus, Front- oder Hecktriebler. Und sogar Versionen mit bis zu 17 Sitzen sind möglich; dazu bedarf’s dann aber eines eigenen Führerscheins.


Für Familien ideal: der Tourneo mit 2,2-Liter-Common-Rail-Diesel. Seine 130 PS erwiesen sich als ausreichend, als fühlbarer Pluspunkt beim Beschleunigen. Und dennoch erfreut er mit einem akzeptablen Verbrauch für ein Vehikel dieser Größe. Auch wenn einmal der Fuß bleiern auf dem Gaspedal lastet: Stets rinnen weniger als zehn Liter pro 100 Kilometer aus dem Tank. Was dagegen eher enttäuscht: eine Straßenlage, die – vor allem vollbepackt, in Kombination mit den Kraftreserven des Motors und nicht gerade optimalen Bremsen – bei PKW-gewohnten Lenkraddrehern für Verwunderung, manchmal Stoßseufzer sorgt. Auf kurvenreichen Straßen verlangt der Transit dem Fahrer viel an Konzentration ab. Und das, obwohl er mit Frontantrieb (also durchaus in der Mittelklasse-PKW-Philosophie) ausgerüstet ist.


Drinnen entschädigt der Transit mit viel Platz: Jeder Passagier sitzt völlig uneingeschränkt in Bein- oder Kopffreiheit; auch auf den hinteren Plätzen. Dazu gibt’s viele Ablageflächen, Flaschenhalter und all die nützlichen Kleinigkeiten für ein Autofahrerleben auf großer Tour. Schade, dass die serienmäßige manuelle Klimaanlage mit diesem Platzangebot nicht unbedingt mithalten kann. Was insofern noch schwerer wiegt, als der Transit Tourneo in der Mitte und hinten keine zu öffnenden, ja nicht einmal ausstellbare Fenster hat. Ob da die Kinder auf langen Reisen noch mitspielen?


Dr. Christian Jörg