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Stolpern beim Lesen und Buchstabensalat


Bei einer Lese-Rechtschreibschwäche können Kinder die Buchstaben und Worte nicht wiedererkennen. Für sie gibt es kein System, nach dem die Worte zusammengesetzt sind.





Es ist frustrierend für alle Beteiligten, wenn ein Kind an einer Lese- Rechtschreibschwäche leidet. Bei betroffenen Mädchen oder Jungen ist es natürlich am schlimmsten. Denn häufig genug sind sie das Ziel von Hänseleien ihrer Mitschüler. Außerdem fühlen sie sich minderwertig, weil sie eben nicht das können, was ihre Altersgenossen so problemlos schaffen. Sie als Eltern stehen vor dem Problem, dass Sie ja alles Erdenkliche für Ihren Nachwuchs tun, um ihm zu helfen.

Gleichwohl sind nur minimale oder gar keine Fortschritte zu sehen. Ein Manko dabei: Eine Lese-Rechtschreibschwäche wird meist erst nach einigen Schuljahren entdeckt. Und in dieser Zeit herrscht Ungewissheit und Ratlosigkeit. Es gibt nach aktuellem wissenschaftlichen Stand keine eindeutige Ursache für das Auftreten einer Lese-Rechtschreibschwäche. Vermutungen gehen dahin, dass eine Vererbung ebenso der Grund sein kann wie Defizite in der Entwicklung oder psychische Belastungen.

p und b vertauscht
Es gibt einige klassische Symptome, anhand derer sich eine Lese-Rechtschreibschwäche diagnostizieren lässt. Die Buchstaben sind ein Problem für diese Kinder: Sie erkennen sie nicht wieder oder verwechseln sie ständig. Ohne erkennbaren Grund tauschen sie ganz nach Belieben zum Beispiel p und b oder m und w aus. Aus dem Sonnenbrand wird ein Sonnenprand. Weiters würfeln diese Mädchen und Buben die Buchstaben innerhalb eines Wortes durcheinander. Sie schaffen es nicht, die richtige Reihenfolge zu behalten. Auch das Erkennen und Behalten von Wörtern klappt schlecht oder teilweise gar nicht.

Selbst nach ausführlichem Üben bleibt das Problem bestehen. Das fehlende Wiedererkennen der Worte führt auch beim Lesen zum Schwierigkeiten: Hier stolpert das Kind mit Leseschwäche über einzelne Worte, gerät dann ins Stocken und verhaspelt sich. Manchmal rutscht es auch einfach in die falsche Zeile und liest etwas vor, das eben keinen Sinn mehr macht. Verständlicherweise sind Lesen und Schreiben für die Kinder mit entsprechender Schwäche ein Graus. Das freie Sprechen ist für sie hingegen in vielen Fällen eher problemlos. Ganz im Gegenteil: Mädchen und Buben, die eine Lese-Rechtschreibschwäche haben, nutzen einen viel umfangreicheren Wortschatz beim Reden als beim Schreiben.

Professionelle Hilfe vom Therapeuten
Wenn die Diagnose klar ist, dann bedarf es professioneller Hilfe! Es macht wenig Sinn auf eigene Faust am Kind herumzudoktern. Vielmehr gibt es ausgewiesene Experten für die Behandlung von Lese-Rechtschreibschwächen.Die notwendige Therapie ist mehrschichtig angelegt, um dem Kind möglichst optimal zu helfen. Es ist schließlich die Kombination aus der Behandlung des Kernproblems, dem Aufholen des Lernstoffes sowie der sehr, sehr wichtigen psychologischen Betreuung, die am Ende zum Ziel führt. Das Kind muss lernen, mit der Schwäche im Alltag umzugehen.

Weiters werden Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl gestärkt: Das Kind darf sich so akzeptieren wie es ist. Eine zweite Baustelle ist der Stressfaktor in der gesamten Familie. Sie als Eltern nötigen das Kind – wenn auch unbewusst – zum Lernen. Sie haben den Druck, dass Sie das Beste für Ihr Kind wollen. Das Kind wiederum leidet unter dem Erfolgsdruck, den es nicht erfüllen kann. Auch hier sollten gute Therapeuten für ein entspanntes Klima sorgen.



Text: Mag. Celina Thimm
Bild: Kalenik Hanna/ Shutterstock.com
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